Mönchengladbach: Mit „NaNoWriMo“ in 30 Tagen zum 50.000-Wörter-Roman

Internationales Schreibprojekt : In 30 Tagen zum 50.000-Wörter-Roman

In einem Monat einen dicken Wälzer schreiben? Klingt nach einem verrückten Vorsatz für das neue Jahr. Der internationale Roman-Schreib-Marathon „NaNoWriMo“ hat genau das zum Ziel. Mehrere hunderttausend Menschen nehmen jedes Jahr weltweit daran teil. RP-Mitarbeiter Ansgar Fabri und seine Frau Nadine, Kulturpädagogin und VHS-Dozentin für Kreatives Schreiben, haben den Selbstversuch gemacht.

Schreibkurs-Teilnehmer der Volkshochschule (VHS), die sich vorgenommen haben, ein Buch zu schreiben und vom „NaNoWriMo“ hören, fragen oft: Beginnt man beim Schreiben eines Romans mit einem leeren Blatt und einer Idee? Die Antwort: Ja und Nein. Denn: So unterschiedlich wie die Schreibvorhaben und Autoren sind auch die Herangehensweisen. Das gilt auch beim kreativen Schreibprojekt „Novel Writing Month“ (Roman-Schreib-Monat), für den die Abkürzung „NaNoWriMo“ steht.

Je nach Typ schreiben einige sofort drauf los. Andere schreiben mal hier, mal da an einer Textstelle; wieder andere planen den Plot akribisch im Vorfeld. Erlaubt ist, was inspiriert und die Seiten füllt, solange das erste Wort des neuen Romans am 1. November, dem offiziellen internationalen Start des National Novel Writing Month, zu Papier gebracht wird  – und das letzte Wort vor dem 1. Dezember.

Andere Schreibbegeisterte fragen skeptisch: Kann das, was man in einem Monat herunterschreibt, denn überhaupt gut sein? Und kann man einen Roman mit einer Längenvorgabe schreiben? In einem Monat kann man die erste Fassung eines Manuskripts schreiben, und hier gilt: Nur was man niedergeschrieben hat, kann man überarbeiten und verbessern. Frei nach dem Motto der Pulitzer-Preis-Trägerin Jane Smiley: Jeder erste Entwurf ist perfekt, denn alles, was ein erster Entwurf tun muss, ist zu existieren. Und nein, man sollte sich nicht von der 50.000-Wörter-Vorgabe vorschreiben lassen, wie lang der eigene Roman wird. Wenn die Geschichte zu Ende erzählt ist, sollte man sie besser nicht künstlich aufblähen, nur um eine Längenvorgabe einzuhalten.

Das Konzept des NaNoWriMos soll Hilfe und kein Hindernis auf dem Weg zum eigenen Roman sein. Die stärksten Argumente, warum sich jemand, der endlich sein Buchprojekt Wirklichkeit werden lassen will, für den November den NaNoWriMo im Kalender eintragen sollte, sind gute Planbarkeit und die überschaubare Mehrbelastung. Man verzettelt sich weder mit der Recherche noch mit dem Sammeln von Ideen. Denn am 1. November muss man mit dem Schreiben beginnen. Bis dahin kann man vorkochen, Vorräte einkaufen, ein paar Extra-Stunden Großelternzeit für das Kind vereinbaren. Erst dann beginnt der kreativ-schreiberische Ausnahmezustand, und auch der ist zeitlich überschaubar und mit dem Öffnen des ersten Adventskalendertürchens abgeschlossen.

In dieser Zeit kann man als offizieller Teilnehmer auf der Online-Plattform des NaNoWriMos den Fortschritt seiner Wörterzahl dokumentieren und in einer Statistik nachvollziehen, wann man die 50.000-Wörter-Marke erreichen würde. Das hilft dabei, sich die Zeit einzuteilen und zum Beispiel für einen Kita-Sankt-Martins-Zug freizuräumen, oder sich von unvorhersehbaren Ereignissen nicht aus dem Konzept bringen zu lassen.

In der internationalen Community liest man täglich aufbauende Worte, persönliche Erfahrungen oder auch selbstironische Scherze über das Aufschieben. Wer bis Ende November die 50.000 Wörter schafft, erhält ein Gewinner-Zertifikat, aber vor allem hat man die erste Fassung des eigenen Romans abgeschlossen, und dieses Gefühl ist die viele Arbeit zuvor absolut wert.