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Mönchengladbach: Minerva Cuevas ist neue Atelierstipendiatin

Minerva Cuevas : Mexikanerin will Kunst mit Grünflächen machen

Sechs Monate wird Minerva Cuevas an der Steinmetzstraße wohnen und arbeiten. Die Künstlerin ist die 31. Atelierstipendiatin der Stadt. Und sie hat bereits Ideen, was sie hier anstellen will.

Ihre Arbeiten gestaltet sie gerne so bunt und lebensfroh, wie es die Dächer der Straßenstände in Mexico City, ihre Heimatstadt, sind. Oder so eindringlich wie die Werbemaßnahmen großer international bekannter Konsumgütermarken. In jedem Fall bleibt die Kunst von Minerva Cuevas nie unbemerkt. Da, wo die 43-Jährige ihre Werke ausstellt oder die Wände öffentlicher Bauten gestaltet, regt sie zum Nachdenken an, weckt Aufmerksamkeit. Für die Missstände beim Verteilungskampf um natürliche Ressourcen etwa oder für die Rolle multinationaler Konzerne in der globalen Wirtschaft. Dabei wertet sie die Dinge nicht aus einer moralischen Perspektive, will weder verletzen noch verärgern, sondern zum Nachdenken einladen.

Das macht sie jetzt auch in Mönchengladbach. Denn Minerva Cuevas ist die 31. Atelierstipendiatin der Stadt. Gerade hat sie die Atelierwohnung in der Steinmetzstraße zu einem sechsmonatigen Aufenthalt bezogen. Während die Stadt Atelier und Studio sowie die Organisation zur Verfügung stellt, wird der Aufenthalt mitsamt Ausstellung und Katalog seit Einrichtung des Stipendiums vor 21 Jahren von der Josef und Hilde Wilberz-Stiftung finanziert. Betreut wird Minerva Cuevas von der c/o-Künstlerförderung im Städtischen Kulturbüro.

In ihrer Kunst bedient sich die quirlige Cuevas oft der Sprache von Werbung und Warenästhetik. Den Namen eines weltbekannten französischen stillen Wassers tauscht sie ein in den Begriff „égalité“. Damit schafft sie einen neuen Kontext: „Die Werbung nutzt uns Konsumenten für ihre Botschaften. Also tun wir es ihnen gleich und nehmen uns das Recht, mit diesen Botschaften zu spielen“, sagt sie. Tausende Flaschen des Wassers mit dem Label „égalité“ hat sie während der Aktion kostenlos an Passanten verteilen lassen, der Markeninhaber war damit einverstanden.

Schauspieler als die Kunstfigur Ronald verkleidet, das Maskottchen einer weltweit agierenden Burger-Restaurantkette, hat sie in unterschiedlichen Ländern vor die Eingangstüren der Imbisshäuser gestellt. Die Schauspieler machten auf die Arbeitsbedingungen der Kette aufmerksam, regten Passanten dazu an, über Chemikalien in Lebensmitteln und die Abholzung der Regenwälder zur Gewinnung von Viehweiden nachzudenken. Dennoch baten die Schauspieler die Menschen, ins Restaurant hineinzugehen.

An der Grenze zwischen den USA und Mexiko bemalte Minerva Cuevas Steine in einem der Grenzflüsse, um Brücken als Verbindung zwischen den Völkern zu symbolisieren. Diese Brücken waren vor den Terroranschlägen unter anderem auf das World Trade Center  11. September 2001 durchaus da. Ab diesem Tag wurden sie sukzessive abgerissen. Cuevas: „Amerikaner gingen früher nach Mexiko hinüber, um ihren Arzt aufzusuchen, mexikanische Kinder gingen über die Brücken in die USA, um dort mit ihren Kameraden zu spielen.“

In ihrer Arbeit nutzt die Künstlerin Medien wie Wandmalerei, Skulpturen, Video und Fotografie. Auf ihren Aufenthalt in Mönchengladbach freut sie sich: „Ich will die Stadt kennenlernen, und dann vielleicht ein Outdoor-Projekt gestalten, das die Grünflächen unter einem ökologischen Aspekt präsentiert.“