Mönchengladbach: Menia zeigt ihre Ausstellung „Sex and Death Celebrations“ im Projektraum EA 71

Ausstellung im Projektraum EA 71 : Der kritische Blick

Die c/o-Künstlerin Menia zeigt ab heute im Projektraum EA 71 die Ausstellung „Sex and Death Celebrations“. Ihre farbenfrohen Bilder schaffen scheinbare Sicherheit, die bei genauerer Betrachtung ins Wanken geraten kann.

Bewusst plakativ und herausfordernd im Ausdruck scheint Menias Bildwelt den Betrachter regelrecht anzuspringen. Doch wer glaubt, die Arbeiten der c/o-Künstlerin auf den ersten Blick erfassen zu können, sieht sich getäuscht. Hinter dem scheinbar Offensichtlichen lauern Metaphern und Symbole, die gängige Vorstellungen erinnern und zugleich aufbrechen. Thema ist immer auch das Verborgene hinter der Fassade. Ab dem heutigen Freutag zeigt Menia im Projektraum EA 71 eine Auswahl ihrer Arbeiten aus dem Zyklus „Sex and Death Celebrations“. Kurator Bernhard Jansen wird in das Werk einführen, das sich mit Etikettierung, Diskriminierung und Ritualen auseinandersetzt - mitunter im Verweis auf religiöse Motive.

Bereits der Ausstellungstitel provoziert gängige Erwartungshaltungen, um diese in Frage zu stellen. „Sex heißt auf Englisch erst einmal Geschlecht, und ich will zunächst von der ursprünglichen Bedeutung des Begriffes ausgehen. Wenn man heute an Geschlecht denkt, kommen unmittelbar die Begriff Gender und Transsexualität dazu“, sagt die 1965 in Polen geborene Künstlerin. Versteckt im Nebenraum findet sich das miniaturgroße Diptychon mit der Darstellung zweier Embryonen. Bereits vor der Geburt sind sie als Mädchen und Knabe klassifiziert. Diese Miniaturen spiegeln den Keim zur Auseinandersetzung mit Rollenverständnis, Ausgrenzung und Klassifizierung, die bereits mit der Geschlechtlichkeit verbunden sein können.

Der körperliche Akt der Geschlechtlichkeit ist naturgemäß auch Thema der Ausstellung. „Meine Bilder haben Titel, und die sind mir wichtig“, betont Menia, die seit 30 Jahren in Mönchengladbach lebt und arbeitet. Die Bilderliste mit Titeln, wie „Mutterliebe“, „Blutgemeinschaft“, „Sexualverbrechen“ und „Frühstück im Grünen“ reicht von scheinbar harmlos bis brutal und sarkastisch. „Blümchensex“ heißt die Darstellung eines toten Kindes auf idyllischer Blumenwiese. Das Blut der Meerjungfrau ist Indiz der Vergewaltigung. Im Hochformat des „Heiligen Sebastians“ werden die Marterwerkzeuge zu Piercings und Erotikpfeilen. Im Bild der „Mutterliebe“ fallen vermutlich erst auf den zweiten Blick die Kinderköpfe in den Töpfen üppig blühender Pflanzen auf.

Das farbenfrohe Bild „Summerbar“ jongliert mit Geschlechterklischees vom starken Mann und der anschmiegsamen Frau. Manets Bild „Frühstück im Grünen“ lässt in der aufrüttelnd brutalen Verfremdung an Missbrauch und Beschaffungsprostitution denken. Zur „Blutgemeinschaft“ versammeln sich um die vertraute Christus-Silhouette Figuren als Platzhalter unterschiedlichster Formen der Stigmatisierung. Menia arbeitet oft mit schlichter Hintergrundgestaltung, um die Motive hervorzuheben. Im Bild vom „Heiligen Gral“ zitiert sie in einer Uminterpretation der Symbole den mittelalterlichen Goldgrund christlicher Ikonografie. Die Künstlerin zwingt dazu, Ambivalenz zu sehen und zielt auf eine Darstellung von Empathie, die auch zur Manipulation missbraucht werden kann.

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