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Mönchengladbach: Manfred Schmidt schreibt über den Niederrhein

Manfred Schmidt : Historisches und Kurioses vom Niederrhein

Ein Kapitel hat Autor Manfred Schmidt dem Rheydter Ingenieur Hugo Junkers gewidmet, ein anderes dem Büchsenwurf am Bökelberg.

Im Vorwort schwingt eine Liebeserklärung an den Niederrhein mit. Manfred Schmidt bescheinigt der Region Vielseitigkeit und spannende Geschichten. Es sei eine Herausforderung gewesen, 55 Highlights daraus auszuwählen, schreibt der in Korschenbroich wohnende Autor. Wer sich in der Region im Westen von Nordrhein-Westfalen heimisch fühlt, wird ihm sicherlich zustimmen. Alle anderen müssten angesichts der thematisch breit gestreuten Aspekte zumindest neugierig werden. Viele dürften überrascht sein, wie viele herausragende Persönlichkeiten den Niederrhein ihr Zuhause nannten. Unter den Menschen, Orten und Ereignissen finden sich Namen, wie Kardinal Josef Frings, Künstler Josef Beuys, Kabarettistin Lore Lorentz, Fitness-Pionier Joseph Hubertus Pilates, Weltvermesser Gerhard Mercator und Hans-Dieter Hüsch, „das schwarze Schaf vom Niederrhein“. Schmidt schreibt vom Park der Mammutbäume in Nettetal, der Dülkener Narrenmühle, von Kloster Kamp und dem Xantener Dom, vom Neusser Schützenfest und der längsten Theke der Welt in Düsseldorf. Zu jedem Kapitel gibt es mindestens eine Abbildung, die den Zauber des Niederrheins auch optisch erfahrbar macht.

So schlägt Schmidt auf 121 Seiten einen Bogen von Westen nach Osten und Norden nach Süden innerhalb einer Region, die in ihren Grenzen nicht eindeutig zu definieren ist. Die Gebiete des Niederrheins bilden keine permanente Einheit – weder historisch noch politisch, geologisch oder kulturell, so der Autor. Für die Grenzfrage hat er einen Tipp parat: Wer auf diesbezügliche Fragen die Antwort erhalte „Dat is Ansichtssache“, sei mitten im Rheinland.

Die Vitusstadt liegt ganz klar im Herzen des Niederrheins – gefühlt und geografisch. Im Rahmen der 55 Highlights bietet sie den Stoff für zwei Kapitel. Unter der Rubrik „Kamelle, Küsschen und Krawatten“ zum Karneval am Niederrhein ist Mönchengladbach außerdem mit einem Foto vom Veilchendienstagszug vertreten. Mit Stolz dürften närrisch gesinnte Bürger lesen, dass „ihr“ Veilchendienstagszug einen der größten Karnevalszüge Deutschlands darstellt. Unter der Überschrift „Ein Leben für die Technik“ würdigt der Autor die Lebensleistung des bedeutenden Rheydter Ingenieurs und Flugzeugpioniers Hugo Junkers. Seine „Tante JU“ prägte den zivilen Luftverkehr wie nur wenige Flugzeuge und ist heute eine der bekanntesten historischen Maschinen aus deutscher Produktion, hebt Schmidt hervor.

Gleich zu Beginn, unter Nummer Eins, erinnert er an eine für Borussenfans hoch emotionale Begebenheit – um eine kleine Blechdose mit großer Wirkung. Beim Spiel gegen Inter Mailand 1971 war die Fohlenelf in Topform. Doch dann stürzte der von einer halbleeren Getränkedose getroffene Mittelstürmer Roberto Boninsegna zu Boden und blieb liegen, bis ihn Sanitäter vom Platz trugen. Die Gladbacher argwöhnten Hinterlist. Das Spiel wurde jedenfalls annulliert, beim Wiederholungsspiel konnten die Borussen den Erfolg nicht wiederholen. Der ironische Ton in Schmidts Beschreibung von Boninsegnas Sturz „als hätte ihn Münchhausens Kanonenkugel zielgenau getroffen“ lässt unschwer erkennen, wem der Autor seine Sympathie schenkt. Das beigefügte Bild zeigt das Corpus Delicti, das im Vereinsmuseum der Borussia erhalten ist und echte Fans bis heute umtreibt.

Info: Niederrhein. 55 Highlights aus der Geschichte, erschienen im Sutton Verlag, ISBN: 978-3-96303-109-0