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Mönchengladbach: Literarischer Sommer startet mit Lesung von Arnon Grünberg

Kultur in Mönchengladbach : Literarischer Sommer startet mit Arnon Grünberg

Der niederländische Schriftsteller stellte seinen aktuellen Roman „Besetzte Gebiete“ vor und erklärte, dass gute Romane unbequem sein müssen.

Ein Leben könne Arnon Grünberg kaum ausreichen, mutmaßte Maren Jungclaus vom Literaturbüro Nordrhein-Westfalen bei der Ankündigung des Autors. Bei den Recherchen für seine Romane sei der Niederländer schon in unterschiedliche Rollen geschlüpft, um die Charaktere seiner Bücher zu entwickeln. Das gilt auch für den Psychiater Otto Kadoke, Hauptfigur in Grünbergs Roman „Besetzte Gebiete“. Mit der Vorstellung der deutschen Übersetzung eröffnete Grünberg in der Stadtteilbibliothek den 22. Literarischen Sommer und den Reigen von vier Lesungen in Gladbach. Kulturdezernent Gert Fischer betonte  den Wert der „wunderbaren Veranstaltung“, die unter Corona-Auflagen live stattfand, in Echtzeit gestreamt und von Gebärdendolmetschern begleitet wurde.

Jungclaus stellte Grünberg als Pendler zwischen Amsterdam und den USA vor, der mit den Jahren politischer geworden sei. In „Besetzte Gebiete“ erzählt er die Geschichte des Psychiaters Otto Kadoke, der auf Suizidprävention spezialisiert ist. Dessen Versuch, einer Patientin zu helfen, führt zu Verunglimpfung und Berufsverbot. Als ihm das Leben in den Niederlanden verleidet ist, siedelt Kadoke mit dem pflegebedürftigen Vater zur Zionistin Anat ins Westjordanland über.

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Grünberg las zwei Kapitel, von denen sich die Schilderung von Kadokes und Anats Liebesnacht im Beisein der Schwiegermutter durch satirische Überspitzung auszeichnete. Nach der Lesung, versicherte Grünberg, alle Fragen seien erlaubt. Das Gespräch geriet allerdings zum Dialog mit Jungclaus. 

Der Autor verriet, dass er mit dem Roman erstmals eine Fortsetzung auf ein Vorgängerwerk, „Muttermale“, geschrieben habe, da er mit der Hauptfigur noch nicht abgeschlossen hatte. Es werde auch ein drittes Buch über den Psychiater geben. Angesprochen auf seine Darstellung des Judentums betonte Grünberg, dass ein guter Roman auch „unbequem“ sein müsse. In anderen Büchern sei ihm ebenso die Auseinandersetzung mit der Absurdität von Tradition gewesen. Er erzählte, dass seine Schwester in einer Siedlung lebe, wie im Buch beschrieben und bekannte, dass sich die Geschwister in ihren Ansichten sehr unterscheiden.

Info Weitere Lesungen am 4. August (Shida Bazyar), am 13. August (J.J. Voskuil) und am 24. August  (Ronya Othmann).