Klassische Musik in Mönchengladbach Virtuose Violinenmusik zum Abschluss von „Die Herbstzeitlose“

Mönchengladbach · Nur mit den Klängen seiner Stradivari fesselte der Geiger Linus Roth das Publikum im Bunker Güdderath. Welche Stücke gespielt wurden und warum der Auftritt auf manche Zuhörer wie Teufelswerk wirkte.

 Geiger Linus Roth überzeugte bei seinem Solokonzert im Bunker.

Geiger Linus Roth überzeugte bei seinem Solokonzert im Bunker.

Foto: Sven Hess

Beim Abschlusskonzert des Festivals „Die Herbstzeitlose“ im Bunker Güdderath begeisterte der Geiger Linus Roth das Publikum mit anspruchsvollen Solostücken. Ein ganzes Konzert lang Violine solo, ohne jede Begleitung – das dürfte den einen oder anderen Musikfreund vielleicht abgehalten haben, dieses besondere Angebot anzunehmen. Trotzdem war der Abschlussabend im Bunker gut besucht.

Roth, der zweifacher Echo-Preisträger und Professor am Leopold-Mozart-Zentrum der Universität Augsburg ist, hatte Johann Sebastian Bach und dessen umfangreiches Oeuvre für Violine solo als Schwerpunkt seines durchgehend fesselnden Programms gewählt. Er begann mit der Sonata g-Moll BWV 1001 und beschloss den Abend mit der Partita d-Moll BWV 1004. Voller Ruhe und Ausgeglichenheit, glasklar und überlegt artikulierend, brachte er seinen Zuhörern die komplizierten polyphonischen Verflechtungen nahe, die unter seinen Händen animierend und spannungsvoll erschienen. Und das ohne eine Spur akademischer Kühle.

Seine Stradivari „Dancla“ – eine Leihgabe der Musikstiftung der L-Bank Baden-Württemberg – mit ihrem faszinierend weichen und doch substanzreichen Ton tat ihr Übriges, auch vielleicht noch Zweifelnde zu überzeugen, dass Violine solo ein besonderes Erlebnis ist. Eugène Ysaye, ein aus Belgien stammender Geigenvirtuose und Komponist, machte Roth mittels einer Sonate (op.27, Nr.3) bekannt. Spätromantisches und Anklänge an gemäßigt Modernes wechselten sich miteinander ab, was den Interpreten technisch extrem forderte.

Das steigerte sich noch bei den Variationen über ein Thema aus der Oper „La Molinara“ des italienischen Komponisten Giovanni Paisiello aus der Feder des zu seinen Lebzeiten als „Teufelsgeiger“ bewunderten Niccoló Paganini. Diese Komposition erschien dem Publikum, das gebannt die kunstvoll und hoch virtuos dargebotene Mehrstimmigkeit verfolgte, tatsächlich wie Teufelswerk.

Entsprechend groß war der Jubel nach diesem musikalischen Glanzstück. Da konnte es als Zugabe nur „mehr Bach“ geben, sagte Roth und spielte die beschwingte Gavotte aus der E-Dur-Partita. Es ist ein Glück, dass durch die Kontakte, die der Herbstzeit-Macher Bernhard Petz pflegt, ein so hochkarätiger Musiker, der erste Orchester, Dirigenten und Kammermusiker zu seinen Partnern zählt, den Weg nach Güdderath fand.

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