Lesung in Mönchengladbach : Ein Liebesbrief für Hastenraths Will

Der charismatische Landwirt verriet in Mönchengladbach, wo er seine zeitlos schönen Gummistiefel kauft und was „Dosenwerfen für Fortgeschrittene“ ist. Seine Publikum hörte zu, hatte viel Spaß und stellte Fragen.

Moderatorin Inge Schnettler hatte eine Überraschung im Gepäck: die Kopie eines handgeschriebenen Briefes von Liesel an Hastenraths Will. „Sie sind herzerwärmend“, schrieb sie und: „Dich würde ich sofort für den Ritter wider den tierischen Ernst vorschlagen.“ Hastenrath war direkt gerührt: „Das ist aber toll.“

Hastenraths Will erklärt die Welt. Das tut er seit April 2016 regelmäßig in der mittwochs erscheinenden Kolumne in der Rheinischen Post und auch sonst überall, wo man ihm zuhört. Etwa 60 Gäste taten dies mit großem Vergnügen in der Buchhandlung Degenhardt. Dort kann man ja schon lange nicht nur Bücher kaufen, sondern auch Lesungen und Konzerte genießen.

„Wenn ich dienstags am Schreibtisch sitze und laut lache, wissen die Kollegen in der Redaktion: Die Kolumne von Hastenrath ist angekommen“, sagte Inge Schnettler, Kulturredakteurin der Rheinischen Post. Sie moderierte den Abend, stellte eigene und die Fragen des Publikums. Aber dazu später mehr.

„Witzig, kenntnisreich und wortgewandt“, sei Hastenrath, so Schnettler. Er verstehe sich auf die Kunst, „schwierige Zusammenhänge so zu verpacken, dass man auch mal lachen muss“.

Hinter Hastenrath steht Christian Macharski, 1969 in Wegberg geboren, Germanist, Kabarettist und Autor. Er schreibt die Vorworte zu Hastenraths Büchern, in denen er chronologisch die Zeitungskolumnen zusammenfasst.

Eigentlich sind die beiden ein und dieselbe Person – aber „heute ist Macharski zu Hause geblieben“, so Hastenrath. Von der Kappe auf dem Kopf bis zu den „Ausgehstiefeln ohne Pratsch“ verkörperte er ganz und gar den Landwirt, Ortsvorsteher, CDU-Spitzenkandidat und Wahlleiter (weswegen sein Dorf 98 Prozent CDU wählt, die Stimmen des neu zugezogenen Lehrerehepaars, die SPD gewählt haben, „zählen wir gar nicht, so einen Quatsch“), amtierende Fußballlegende (sie nennen ihn „Häuptling gestrecktes Bein“) und Frauenbeauftragter der KG Föttchensföhler.

Also ein Mann, der zu allem etwas zu sagen hat. Und das auch tut. Mit viel Engagement und einem hehren Ziel: „Ich will bildungspolitisch was bewirken.“   Er schreibt über den „Präsidentendarsteller“ Donald Trump, das „Trumpelstilzchen“,  den Brexit, Feiertage aller Art, damit die Menschen nicht vergessen, dass Karfreitag kein „Veggieday“ ist, über Randsportarten wie Darts: „Dosenwerfen für Fortgeschrittene“, den Internationalen Frauentag, den „Mensch gewordenen Thermomix und Alleskönner“ Günther Jauch. Er schreibt über das „Genderwetter“ mit den nach männlichen Vornamen benannten Tiefdruckgebieten und kommt vom Wetter direkt auf die CDU-Vorsitzende „Annette Krampf-Kalauer“, Der Thermomix, „Traum aller Frauen“, steht im Mittelpunkt einer Kolumne und beschreibt den Wahnsinn, sich einen Wasserkocher zu kaufen, der 599 Euro kostet.

Banales und Komplexes, Unterhaltsames und Informatives, Witziges und Ernstes stehen in Macharskis Programm dicht beieinander. Und vielleicht ist es genau das, was das Zuhören so leicht macht.

Den Zustand der Bundeswehr erklärt Hastenrath durch einen Vergleich mit den „Ludolfs“ und ihrem Schrottplatz. In die Kolumne zur Wespenplage des vergangenen Sommers verpackt er die ernste Frage nach dem Bienensterben.

Und wie war das jetzt noch mit den Fragen des Publikums? Das Programm an dem Abend ist so angelegt, dass es einen Wechsel zwischen Lesung, Gespräch und Beantwortung von Fragen gibt. Dazu hatten die Gäste in der Pause Zeit, schrieben ihre Fragen auf eine Karte und Inge Schnettler stellte sie Hastenrath. Die Gäste wollten wissen, wo er seine „zeitlos schönen Gummistiefel kauft“ – natürlich im Raiffeisenmarkt, wo er seine Frau kennengelernt habe, was er von der Enteignung des Eigentums halte, um Wohnraum zu schaffen, und wo er Urlaub mache. Da konnte Hastenraths Will seine Spontaneität unter Beweis stellen.

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