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Mönchengladbach: Lehrer des Hugo-Junkers-Gymnasiums führen Theaterstück auf

Hugo-Junkers-Gymnasium in Mönchengladbach : Lehrer machen Theater

Am Hugo-Junkers Gymnasium formierte sich ein Lehrertheater. Mit dem Schauspiel „Frau Müller muss weg“ wählt es einen selbstironischen Auftakt. Die Premiere des Stückes ist am 16. Februar in der Aula der Schule zu sehen.

Beim Elternabend herrscht Hochspannung. Klassenlehrerin Frau Müller aber lässt keinen Zweifel daran, dass sie eine resolute Pädagogin ist, die nicht kampflos aufgibt. Die Szene gleicht einer verbalen Kampfarena besorgter Eltern, die sich nebenbei selbst demaskieren. So geschehen im Hugo-Junkers-Gymnasium – zum Glück nicht im Klassenraum, sondern auf der Bühne der Aula. Hier probt das neu gegründete Lehrertheater für seine erste Premiere Lutz Hübners Schauspiel „Frau Müller muss weg“, eine satirisch überspitzte Auseinandersetzung mit anstehenden Halbjahreszeugnissen, Erwartungshaltungen und besorgten Eltern. Es spricht für eine gute Portion Selbstironie, dass Lehrer ausgerechnet eine Satire auf das Thema Schule wählen. Das tun die Akteure mit der puren Lust an der überspitzten Darstellung – wie ein Einblick beim Probenbesuch besagter Szene preisgibt.

„Es geht in dem Stück auch um Sorgen und Ängste von Eltern. Darin hat die Satire einen wahren Kern. Es ist spannend, sich als Lehrer in die Elternrolle zu versetzen. Uns geht es ebenso darum, das Lampenfieber unserer Schüler nachvollziehen zu können, wenn sie Theater spielen und in den Musicals auftreten“ sagt Regisseur Stephan Merschieve. Er bezeichnet das Schauspiel als klassisches Kammerspiel, das er mit den Kollegen im gleichbleibenden Bühnenbild ansiedelt. Merschieve lässt die Schockstarre der Eltern beim Erkennen ihrer Fehleinschätzungen durch ein „Einfrieren“ der Darsteller symbolisieren. Stampft „Frau Müller“ im wütenden Monolog mit dem Fuß auf, gibt sie das Signal, aus der Erstarrung zurück ins lebendige Spiel zu finden.

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Die sechs Lehrer auf der Bühne werden unterstützt durch drei Kinder. Deren Part beschränkt sich auf ein Schattenspiel. „Mein Kind ist mir so fremd“, lässt Nilüfer Ulusoy-Schmitz die alleinerziehende Mutter Katja sagen. Während sie spricht, spielt Grundschüler Daniel deren Sohn als übergroßen Schatten. Die Gymnasiastinnen Hannah und Jessica aus der „Kultklasse“ mit kulturellem Schwerpunkt haben einen ähnlichen Part. „Es ist manchmal schwer zu verstehen, dass das hier nur eine Rolle ist und nicht echt. Frau Müller hat mir anfangs schon leid getan“, sagt Fünftklässlerin Jessica über Danika Hauptmanns temperamentvolles Spiel. Hauptmann mimt Frau Müller als engagierte Pädagogin mit realistischer Einschätzung. „Ich kann mich gut mit ihr identifizieren, aber natürlich ist das Stück stark überspitzt. So etwas ist mir hier noch nicht passiert“, sagt sie über ihren Part.

Bewusst vom Spielfluss abgesetzt ist die Liebesszene, zu der Musiklehrer Alexander Nagel als arbeitsloser Wolf Heider auf dem Flügel spielt. Seine Figur habe Beziehungsprobleme gehabt und ein Auge auf Katja geworfen, erzählt Nagel. Darstellerin Ulusoy-Schmitz verrät, dass sie als Katja auch einen romantischen Part habe. Stefanie Köntgen mimt Karrierefrau Jessica, die bestürzt erfährt, dass die Tochter ihre Unterschrift fälscht. Nathalie Dyballa und Tim Rokitta geben das aus München zugezogene Ehepaar, das uneins ist im Umgang mit dem Sohn. „Er ist pragmatisch und will, dass unser Lukas, das Terrorkind, auf die weiterführende Schule kommt, egal wie. Ich bin hysterisch und die Über-Mutti, die von allen erwartet, dass ihr Kind wie ein König behandelt wird und dessen Gewaltproblem nicht wahrnimmt“, beschreibt Dyballa die Rollen. Die Neugierde der Schüler auf das Spiel der Lehrer ist groß. Der Kartenvorverkauf läuft gut.