Neue Ausstellung in Mönchengladbach Halb Text, halb Bild

Mönchengladbach · In ihrer Ausstellung „Übermalung“ überstreichen die Künstler Lars Breuer und Jan van der Ploeg die Arbeit des anderen. Streng reduzierte Typografie trifft auf bunte Wandmalerei. Das Ergebnis ist jetzt im Kunstverein MMIII zu sehen.

 Die beiden Künstler Lars Breuer (l.) und Jan van der Ploeg vor ihrem Wandgemälde, auf dem sie ihre Werke miteinander verschmolzen haben.

Die beiden Künstler Lars Breuer (l.) und Jan van der Ploeg vor ihrem Wandgemälde, auf dem sie ihre Werke miteinander verschmolzen haben.

Foto: bauch, jana (jaba)

Wird ein Kunstwerk übermalt, ist das in den meisten Fällen ein Irrtum, eine illegale Handlung oder ein Notfall. Der Schweizer Maler Giovanni Giacometti zum Beispiel übermalte seine Leinwände mehrmals, weil er kein Geld für neue hatte. Auch Van Gogh war dafür bekannt, seine eigenen Werke zu überpinseln. Und in der Graffiti-Szene verstößt man gegen einen Ehrenkodex, wenn man ein Bild übersprüht, in manchen Fällen ist das sogar strafbar.

Im Kunstverein MMIII gibt es jetzt eine ganz legale und freiwillige „Übermalung“. In der neuen Ausstellung überstreichen Lars Breuer und Jan van der Ploeg die Werke des jeweils anderen  – durch die Zusammenarbeit sind zwei Wandgemälde entstanden, in denen die Schwerpunkte der beiden Künstler miteinander verschmelzen: Typografie und knallige Farben im Großformat, halb Text, halb Bild.

Zwei Wände á 16 Meter standen Breuer und van der Ploeg zur Verfügung. Auf der unteren Wand hat der der aus Aachen stammende Breuer zuerst seinen Schriftzug „Less Content“ (weniger Inhalt) an die Wand gebracht. Der Niederländer van der Ploeg hat die Buchstaben anschließend mit Balken in grellem Rot durchquert. Auf der gegenüberliegenden Wand lief es andersrum: Erst hat van der Ploeg die Wand mit blauen Balken versehen, danach hat Breuer seinen Schriftzug „More Meaning“ (mehr Bedeutung) hinzugefügt. „Die gegenüberliegenden Wände geben uns die Möglichkeit, aufeinander zu reagieren“, sagt van der Ploeg.

Auch die beiden Schriftzüge „Less Content – more Meaning“ können als Reaktion aufeinander gelesen werden. Sie funktionieren aber auch als zusammenhängender Satz. Oder als zwei Aussagen, die für sich stehen und nichts miteinander zu tun haben. Angelehnt ist das Wortgefüge an Jacques Lacan,  er war der Meinung, dass mehr Inhalt zu weniger Bedeutung führe. „Das sehe ich nicht so, aber es ist interessant, darüber nachzudenken“, sagt Breuer. Anders als Lacan überlässt er dem Betrachter die Entscheidung von Wichtig- und Unwichtigkeit von Inhalt und Bedeutung. „Jeder liest und interpretiert die Worte auf den Wänden anders, das ist auch so gewollt“, sagt der Künstler.

Van der Ploeg, der schon lange minimalistisch und abstrakt arbeitet, muss sich immer wieder mit der Frage nach Form und Inhalt beschäftigen und oft sogar rechtfertigen. „Heutzutage ist es fast unmöglich, Kunst zu machen, die  vom Gegenständlichen losgelöst ist“, sagt er. Stattdessen werde immer mehr politisiert, auch in der Kunst.

Nicht nur in ihrem Verständnis von Kunst ähneln sich Breuer und van der Ploeg, die sich schon seit vielen Jahren kennen und mehrmals gemeinsam ausgestellt haben. Auch ihre Herangehensweise bei der Erstellung eines Kunstwerkes gleicht sich: das Abkleben der Flächen, die Präzision, der minimalistische Stil. Sie ergänzen sich gut, die für Breuer typisch philosophischen, politischen und psychologischen Wortschöpfungen und die farbigen Wandmalereien des Niederländers, die der Tiefgründigkeit die Schwere nehmen.

Info Die Ausstellung „Übermalung“ ist ab jetzt bis zum 28. August im Kunstverein MMIII, Künkelstraße 125, zu sehen. Geöffnet sonntags von 11 Uhr bis 14 Uhr und nach Vereinbarung per Mail an info@mmiii.de.