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Mönchengladbach: Kupfernes Buch hilft bei Erforschung der Stadtgeschichte

Mönchengladbacher Stadtgeschichte : Das „Kupferne Buch“ ist zurück in Rheydt

Das Museum Schloss Rheydt hat das schwere Zeugnis der Stadtgeschichte erworben und ausgewertet. Wieso diese Recherche so besonders ist – und noch weitergeht.

Vom „doppelten Glücksfall“ spricht Karlheinz Wiegmann angesichts des 60 Kilogramm schweren Kupfers und Messings, das sich jetzt im Besitz des von ihm geleiteten Museums Schloss Rheydt befindet. Dieses „Kupferne Buch der Stadt Rheydt“ hat zehn Seiten im Format 50x60 Zentimeter, darauf 1274 Namen von im Ersten Weltkrieg gefallenen Söhne der Stadt Rheydt, die sich unter dem Deckel mit der in Kupfer geschriebenen Satz „1914 – 1918: Sie opferten sich für uns“ wiederfinden. Auf der Rückseite die Information: „Walther Kniebe aus Dortmund baute dies Mal i.d. Jahren 1929 – 1932“.

Der Glücksfall eins: Dass es überhaupt noch und wieder da ist, dieses metallene Schriftstück, das so gerade eben vor der Machtergreifung der Nazis im Grenzlandstadion in einem Gewölbe unter einem großen, expressionistischen Denkmal zur Ansicht aufgeschlagen lag. Während der darüber 15 Meter in den Himmel ragende Erzengel Michael 1940 kurzerhand eingeschmolzen wurde, blieb das Buch verschwunden, tauchte in den 1980er-Jahren angeblich auf einem Schrottlaster in Mönchengladbach wieder auf, bevor es in einer Garage landete und vor ein paar Jahren in einem Kleinanzeigenportal das Interesse des Hobby-Gefallenenforschers Frank Fuge aus Merbeck erweckte. Über Berichte auch in dieser Zeitung fand das stadtgeschichtliche Zeitzeugnis nun zum Museum Schloss Rheydt. 

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Der zweite Glücksfall: Frank Fuge hat bis auf knapp hundert alle aufgelisteten Namen soweit identifiziert, dass er nun belegen kann, in welchem Regiment der Betreffende diente, wo er gefallen und erstbegraben ist. „Diese Recherche-Arbeit mit ihrer Fülle an Hintergrundinformationen ist für unsere stadtgeschichtliche Sammlung ungemein wichtig. Und vermutlich einzigartig für eine Stadt in Deutschland“, sagt Wiegmann erfreut.

Fuge ist schon damit beschäftigt, zusammen mit einem Gefallenenforscher aus Süddeutschland die Forschungen zu vervollständigen und in Buchform zu veröffentlichen. Wiegmann lässt das Kupferne Buch erst einmal ins Magazin bringen, bevor ihm ein Platz in der ständigen Sammlung zum Ersten Weltkrieg eingeräumt wird. Beide hoffen noch auf weitere Informationen aus der Bevölkerung.

Frank Fuge ist besonders an Fotografien von Gräbern interessiert und beantwortet zudem Anfragen zu gefallenen Vorfahren. Der Kontakt ist möglich per Mail an info@schlossrheydt.de oder fu-fu@gmx.de.