Galerien in Mönchengladbach : Indianisches in Dorthausen

Seit fast 25 Jahren zeigen Sylvia und Peter Stracke Werke von Hopi-, Zuni- und Navajo-Künstlern. Die Galerie Kokopelli organisiert einmal im Jahr eine Ausstellung.

Ein Kokopelli ist eine kleine menschliche Figur mit Buckel und einer Flöte. Ein Frauenbetörer sei er, so erklärt Peter Stracke. Zugleich und ursprünglich ist diese von verschiedenen prähistorischen Indianervölkern im Südwesten der USA überlieferte Gestalt ein Symbol der Fruchtbarkeit. Eine stilisierte Form des Kokopelli sowie der Name kennzeichnen die Galerie „Kokopelli“.

Mitten in dem kleinen Stadtteil Dorthausen haben indianische Reservate seit vielen Jahren eine Art Zweigstelle bekommen: Sylvia und Peter Stracke führen seit 1994 die außergewöhnliche Galerie. Vergleicht man sie mit anderen Galerien in Mönchengladbach, so fällt das Konzept völlig aus dem Rahmen.

Die Galerie Kokopelli organisiert einmal im Jahr für ein Wochenende eine Ausstellung, aber öffnet natürlich auf Anfrage stets die Türen. Und sehen kann der Interessierte ganzjährig eine große Fülle an Schmuckobjekten, Skulpturen und Bildern – und zwar ausschließlich von indianischen Künstlern aus dem Südwesten der USA.

Alles fing damit an, dass Sylvia und Peter Stracke 1990 auf ihrer Hochzeitsreise durch die USA reisten und in Arizona mit indianischen Kulturen in engen Kontakt kamen. Dabei halfen anglo-amerikanische Freunde – schließlich mussten und müssen auch heute noch Sprachschwellen gemeistert werden. Die Strackes waren fasziniert von den kunstvoll und aufwendig gestalteten Schmuckobjekten, sie erwarben, was ihnen gefiel, direkt von den Künstlern und brachten die Schätze mit nach Deutschland.

Die Leidenschaft für indianische Kunst aus dem Südwesten der USA war geboren. Ein paar Jahre später, es ging um den Umbau des Hauses in Dorthausen 43, hatten die Strackes die spontane Idee, einen Teil ihres Hauses in einen Galerieraum zu verwandeln.

Mit 40 Objekten in drei Vitrinen fing dann am ersten Wochenende im Dezember 1994 das an, was nun seit fast einem Vierteljahrhundert fester und wichtiger Bestandteil ihres Lebens ist: die Galerie Kokopelli. Freunde kamen, Nachbarn. Das waren die ersten Galeriebesucher. Und die waren begeistert. „Toll. Mehr davon“, war ihre Reaktion und eine Bestätigung für die Strackes, weiterzumachen. Anfangs gab es noch zwei Ausstellungen im Jahr, dann wurde es reduziert. Der Markt für indianische Kunst ist in Mönchengladbach halt nicht so groß – das sehen Peter und Sylvia Stracke ganz nüchtern. Zu ihren Ausstellungen kommen knapp 100 Menschen – zu den Nachbarn und Freunden haben sich mittlerweile Sammler aus ganz Deutschland hinzugesellt. Peter Stracke stellt fest, dass es eine große Veränderung bei den Sammlern indianischer Kunst gegeben hat. Die Generation der Interessierten tritt langsam ab, „von jungen Leuten kommt zu wenig nach“, so Stracke, auch in den USA.

Die Strackes aber sind nach wie vor hoch begeistert von „ihren“ Hopi-, Zuni- und Navajo-Künstlern und deren Arbeiten: Sie zeigen in ihrer Galerie Schmuckobjekte, Masken, Skulpturen, Fetische und Bilder von Neil David, von Douglas Miles, von den Yellowhorses und vielen anderen Künstlern.

Ganz genau kann Stracke erklären, wie die Schmuckstücke entstanden sind und gefertigt werden. Das zeichnet die beiden Sammler aus: Sie kennen die Künstler auf eine sehr persönliche Weise und das schon über viele Jahre. Sie begleiten sie – in den USA, ebenso wie hier in Deutschland. Wenn sie eine Ausstellung mit ihnen organisieren, fahren sie mit ihnen durch Deutschland und stellen Kontakte zu anderen Sammlungen, Sammlern und Museen her.

Der frühere Englischlehrer und die ehemalige Chefsekretärin verbringen immer noch viel Zeit in Arizona und spüren Kunstobjekte auf. Im nächsten Jahr feiern sie 25-Jähriges und werden nicht müde, den Menschen in Mönchengladbach diese für viele fremde Kultur nahezubringen.