Mönchengladbach: Kunstroute Altstadt mit persönlichem Ortsbezug

Bilder an Hauswänden in Mönchengladbach : Kunstroute Altstadt mit persönlichem Ortsbezug

Mit acht neuen Tableaus stößt die Initiative Altstadt zum zweiten Mal eine Galerie im öffentlichen Raum an. In dem von Katja Möltgen realisierten Konzept sind die Bilder da entstanden, wo sie jetzt hängen.

Das einstige Kultbild des „Bananas“ entfachte bisher auf der neuen Kunstroute Altstadt die stärksten Emotionen. Jahrelang wurde das grafische Motiv mit dem Erkennungszeichen der früheren Bar bei Renovierungsarbeiten im heutigen „Projekt 42“ ausgespart. Altstadtfans sollen geweint haben, als das Relikt nach einem letzten Foto irgendwann doch unter weißer Farbe verschwand.

Nun lebt die Erinnerung dank des alten Fotos an einer Hauswand in der Waldhausener Straße wieder auf. Im Digitaldruck auf Leinwand ist das Motiv Teil der Serie von acht neuen Tableaus auf der Kunstroute Altstadt. Die ist ein neuer Coup der Altstadt Initiative und fügt sich zu einer Geschichte über Menschen und Erinnerungen im Herzstück der Stadt. Für die nun zweite Route durch Gassen und Straßen am Abteiberg kommen die wetterfesten Aluminiumrahmen der ersten Auflage erneut zum Einsatz. Die Rahmen sind nach Bedarf den Hauswänden und Orten angepasst, während die Motive in passender Größe auf Stoff gedruckt sind. Durch einen Irrtum fehlen noch die Hashtags zu Hintergrundinformation auf den seitlichen Rahmen. Sie werden noch angebracht.

Doch schon jetzt lohnt ein Rundgang auf der Spur der Bilder, die zum Hinzuschauen einladen und so auch vom Potenzial der Altstadt erzählen. „Insgesamt spiegeln die Töne die Farben der Altstadt: das leichte Pink, das Rostige und auch das Grün“, sagt die Mönchengladbacher Künstlerin Katja Möltgen mit glücklichem Lächeln. Sie hat in der Umsetzung ihres Konzepts auf charmante Weise Planung und Improvisation verwoben. Dafür hat sie sich auf „Schatzsuche“ begeben, bei Anwohnern geklingelt und diese überzeugt, aus ihrem Fundus Material beizusteuern.

Möglicher Startpunkt zum Rundgang ist die Stadtverwaltung beim Portalstieg. Dort flimmert nun an einer Wand eine grafische Darstellung zum Grundwasseranstieg in der Stadt in flammenden Tönen. Unvorbereitet ergibt sich die Assoziation an Farbabstraktion über grafischer Darstellung. Wandert der Blick des Betrachters entlang der aufsteigenden Straße hoch, fällt er auf ein zweites Tableau. In Farbgebung und Aufbau spiegelt dieses, wie die seit Jahren am Abteiberg lebende Leo Dahmen über ein Aquarell auf die Grafik der Stadt reagierte. In expressiver Farbgebung zeigt ein extremes Querformat mit Ausschnitten aus Peter Ehlers Pastellkreide Seeleute im Aufbruch. „Mein Bruder ist schwerhörig und war zu der Zeit, als er das Bild malte, arbeitslos. Er hat sich im Bild entfaltet. Das hat ihm sehr geholfen“, sagt dessen Schwester Elisabeth Hilgers. Ein wenig verborgen, beim Kiosk in der Waldhausener Straße, hängt das schmale Hochformat der Poetry Slamerin Rubina Schäfer. Sie hat in der Straße gelebt, hier nach eigenen Worten eine wilde Zeit erlebt und sich über die Malerei in den Augen der dargestellten Frau gespiegelt. Weiter unten, an einer Garagenwand in der Turmstraße, zieht bewegtes Kolorit vor weißem Grund den Blick auf sich. In Bezug auf ein von ihr gestaltetes Malbuch tritt Künstlerin Möltgen mit dem Motiv über eine eigene Arbeit in Erscheinung und erinnert zugleich an eine Malaktion im benachbarten Köntges. Dort malte Rita Tschernikova die Vorgabe in fließend anmutenden Farben aus. Farbtupfen als Spuren der Malaktion wurden bewusst stehen gelassen als Details der Geschichte hinter dem Bild.

Berührend ist die Begegnung mit der überdimensionierten Kindermalerei des Robin Großmann, der in der Gasthausstraße wohnte. In der Farbgebung geht das Bild eine Symbiose mit den Rosen und Grün beim Haus ein. In der Heinrichstraße 28 wohnt Yogina Kleszka, die eine erstaunliche Mappe eigener, zuvor nie ausgestellter Collagen geschaffen hat. Nun prangt eines ihrer Blätter im großformatigen Digitaldruck an der Hauswand, obwohl sie nach eigenem Bekunden eher zur Miniatur neigt. Im Zusammenspiel von Text, Comicfigur und Meditationssymbol entzündet sich an ihrer Darstellung ein witziges Gedankenspiel.

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