Ausstellung in Mönchengladbach Wie gemalte Geschichten Grenzen überwinden

Mönchengladbach · Bei ihrer Ausstellung „Ent-Grenzung“ verbindet die Malerin Yolanda Encabo spanische Motive und Eindrücke aus Mönchengladbach miteinander.

 Die Künstlerin Yolanda Encabo hat Motive aus ihrem Geburtsland Spanien und von ihrer Heimatstadt Mönchengladbach auf Bildern verewigt.

Die Künstlerin Yolanda Encabo hat Motive aus ihrem Geburtsland Spanien und von ihrer Heimatstadt Mönchengladbach auf Bildern verewigt.

Foto: Ja/Knappe, Joerg (jkn)

Schon im Flur des interessanten Ausstellungsgebäudes Steinmetzstr. 37 nahe der City Mönchengladbach begrüßt den Besucher der Ausstellung „Ent-Grenzung“ das große Hochformat „Steg am Hafen“, eine Licht- und Gegenlichtsituation mit Menschen, die an einem ins Meer laufenden Steg gehen. Yolanda Encabo, 1961 in San Sebastian geboren und seit 1995 in Mönchengladbach, kennt beide Welten: die spanische – aus der „Steg am Hafen“ entstammt, wie auch ihre niederrheinische Heimat, zum Beispiel mit dem daneben hängenden Werk „Am Niederrhein“.

Was liegt da näher, als ähnliche Themen im Vergleich beider Welten, Erfahrungen, Mentalitäten darzustellen. Allerdings, das ist Encabo wichtig, „immer ohne Wertung, eher als Spiel, um Neues sichtbar zu machen“. Wie sie denn selber auch malt: ideologiefrei, verspielt. Wenn Encabo eine Szene im öffentlichen Raum, zum Beispiel spielende Kinder auf den Eseln am Sonnenplatz oder Rastende auf Bänken im Stadtraum, fotografiert hat, skizziert sie ihre Bildvorstellung klassisch mit Stift. In diese Skizze werden die fotografierten Rentner, Kinder, Flaneur, Einkaufenden eingewebt, in Szenerien mit zumeist mildem Licht. So kann man die herrliche Gegenüberstellung des etwas kahlen Sonnenplatzes in Mönchengladbach mit einem belebten Platz voller Bäume in der spanischen Stadt Alameda genießen: beide Welten sind auf ihre Art schön; und gehören in Europa zusammen. So wie sie Yolanda Encabo in ihrem Herzen und auf der Leinwand, übrigens klassisch mit Ölfarbe bemalt, trägt und bewegt.

Auch herrlich: zwei Bilder mit kleinen Gruppen von Sitzenden, einmal im Baskenland (siehe Mütze!) oder auf dem Platz der Republik in Mönchengladbach. Die Körpersprachen der entspannten Akteure erzählen Geschichten. Man kann sie fast aus den beiden kleinen Querformaten in der ersten Etage des Hauses im Atelier von Encabo heraushören. Es handelt sich nicht um einen hochtrabenden Kulturvergleich zwischen Deutschland und Spanien, sondern um Freude am Schauen und Schildern. Die Malerin findet auf diesem Wege leicht zur „Ent-Grenzung“: keine Nationalgrenzen, und keine Gedankenkäfige durch ausgrenzende Narrative. Wohl in dem Sinne, dass Grenzen zumindest dazu taugen, zum Relativieren und Überwinden einzuladen.

Und nur auf den ersten Blick wirken ihre Szenerien anspruchslos, die zumeist gesichtslosen Menschen etwas flach. Nach einigem Betrachten entfaltet gerade das seine Wirkung: Als Betrachter beginnt man ganz unversehens in die Bildgestalten einzusteigen, ihre Geschichten zu fühlen und fortzuspinnen.

Info Yolanda Encabos Malereien sind im Atelierhaus Steinmetzstraße 37 noch am kommenden Wochenende, Samstag und Sonntag, 3. und 4. Dezember, jeweils von 12 bis 16 Uhr und nach Vereinbarung zu sehen.

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