Mönchengladbach. Kunst im Rathaus

Ausstellung in Mönchengladbach: Sägebilder, ein lila Luftballon und Farbexplosionen

Das Rathaus Abtei wird bunt. Drei Künstler zeigen in Büros und Sitzungszimmern einige ihrer Arbeiten. Ein Rundgang.

Karl-Heinz Heming hat sich kürzlich am Daumen verletzt. Das kann passieren, wenn man an der Kreissäge arbeitet. Das tut der Künstler. Und zwar sehr effektiv und auf ungewöhnliche Art. Er stellt die Säge sehr flach ein und bearbeitet auf ihr dünne Sperrholzbretter, die er zuvor mit farbiger Holzbeize bemalt hat. Die Sägezähne reißen das Holz auf, schaffen filigrane oder klaffende Risse und Schnitte. Indem er die farbige Platte auf einem neutralen, unbehandelten Brett befestigt, leuchten diese aus dem farbigen Grund. Sägezeichnungen nennt Karl-Heinz Heming diese Arbeiten, von denen einige jetzt im Rathaus Abtei zu sehen sind. „Auch für mich ist es manchmal überraschend, welche Formen die Kreissäge erzeugt“, sagt er. Die Fantasie wird unmittelbar angeregt. Der Betrachter entdeckt Fahnen, Gräser, tanzende Figuren oder auch Klopapierstreifen im Wind.

Heming ist einer von drei Mönchengladbacher c/o-Künstlern, die eingeladen wurden, einige ihrer Werke in Büros und Sitzungszimmern im Rathaus Abtei zu zeigen. Morgen beginnt die Vernissage um 18.30 Uhr, für ein Jahr machen die Kunstwerke das Verwaltungsgebäude ein bunter. Die Reihe „Kunst im Rathaus“ hat Oberbürgermeister Hans Wilhelm Reiners kurz nach seinem Amtsantritt ins Leben gerufen. „Ich bin ein Freund zeitgenössischer Kunst“, sagt er. „Die Werke bieten immer einen guten Einstieg in Gespräche, wenn ich Gäste im Rathaus empfange.“ Das städtische Kulturbüro macht dem Oberbürgermeister jeweils Vorschläge, „die ich bisher immer angenommen habe“.

Dieses Mal sind es also Karl-Heinz Heming, Julia Kujat und Wolfgang Speen. Letzterer hat jetzt auch während seiner Arbeitszeit kurze Wege zu seinen Bildern. Der Pressesprecher der Stadt muss einfach nur in die erste Etage des Rathauses gehen. Schon steht er vor seinen Bildern. Die hängen beispielsweise im Vorzimmer des Oberbürgermeisters. Ingrid Dörges, die in diesem Büro arbeitet, möchte die bunten Bilder gar nicht mehr missen. „Ich finde, die Arbeiten passen sehr gut hierher.“ Stimmt, an den weißen Wänden behaupten sich die explodierenden Farben besonders gut. Farbklänge nennt er seine Bilder.verwendet Farbe, Erde aus Südafrika, Sand aus Marokko und aus La Gomera, Asphaltlack, Stein- und Marmormehl, Harze, Kreide und Asche. Assoziationen sind erlaubt – an Landschaften, die Natur in immerwährender Veränderung, an den ewigen Kreislauf von Werden und Vergehen.

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Wesentlich zurückhaltender kommen die Arbeiten von Julia Kujat daher. Eine Farbfotografie zeigt die Künstlerin an einem Tisch sitzend, das Kinn aufgelegt und in einen lila Luftballon pustend. Nur noch wenig Atem muss sie investieren, dann hat der Ballon dieselbe Größe wie ihr Kopf. An einer anderen Wand zeigt sie drei schwarz-weiße Fotogramme, die wie Röntgenaufnahmen wirken. Wer genau hinschaut, sieht sie wieder, wie sie in den Ballon bläst. „Ich habe den Prozess des Aufblasens dokumentiert“, sagt Julia Kujat. In gewisser Weise werden die Atemstöße der Künstlerin aufgezeichnet.

Zur Ausstellung erscheint ein Flyer, und es wird Führungen geben.

(isch)