Mönchengladbach: Kulturbüro zeigt Ausstellung Koexistenz in Schloss Rheydt

Ausstellung im Schloss Rheydt : Künstlerische Positionen zur Koexistenz

Das Kulturbüro hat zum vierten Mal im Museum Schloss Rheydt eine jurierte Ausstellung mit Künstlern aus der städtischen c/o Künstlerförderung organisiert. Die Präsentation wird am heutigen Freitag eröffnet.

Einander nah und frei von zerstörerischer Reibung strahlen die planetengleichen Kreise in Werner Jacobs Steinrelief ein friedliches Nebeneinander aus.  Die Arbeit ist minimalistisch gestaltet und scheint doch in der kosmischen Anmutung die Komplexität der kommenden Ausstellung „Koexistenz“ zu bündeln. Es ist die vierte jurierte Schau, mit der das städtische Kulturbüro einen Überblick über die Szene mit Künstlern der städtischen c/o-Künstlerförderung im Museum Schloss Rheydt bietet. Sie wird am heutigen Freitag, gut eine Woche, vor dem Parcours der offenen Ateliers, eröffnet – übrigens in Koexistenz mit dem Sommerkino.

 „In einer Welt mit vielen Konflikten ist es toll, wenn Koexistenz den nötigen Raum zur Entfaltung gibt“, betonte Thomas Hoeps bei einem Presserundgang. Der Leiter des städtischen Kulturbüros bekennt, über den Facettenreichtum der künstlerischen Positionen vielfach unvermutete Aspekte entdeckt zu haben. Hausherr Dr. Karlheinz Wiegmann empfiehlt das Museum als idealen Ort für das Thema, da gerade hier die Koexistenz unterschiedlicher Schwerpunkte mit Stadthistorie, Kunst und Textilgeschichte funktioniere.

Die Ausstellung ist dank Henrike Robert luftig gehängt und fügt sich zum episch erzählenden Bogen. Von 39 Bewerbungen wurden 20 c/o-Künstler mit insgesamt 26 Arbeiten ausgewählt, so die Volontärin von der c/o-Künstlerförderung im Kulturbüro. Ausschlaggebend seien Qualität und Umsetzung des Themas gewesen.  Robert gelingt es, unerwartete Bezüge und Widersprüche zwischen eigenständigen Arbeiten herzustellen. Wolfgang Hahns Skulptur zum Beispiel schafft abgegrenzte Freiräume und lädt doch zur Kommunikation ein. Es ist ausdrücklich erlaubt, auf ihr Platz zu nehmen. Wer dies tut, erlebt die Fotos von Link und Kress an der Wand gegenüber aus dem Blickwinkel, der dem des Künstlerpaares bei den Aufnahmen entsprechen dürfte. Die Bilder spüren mit dem Blick für das Witzige und Zufällige gefundenen Verwandtschaften von Dingen in Koexistenz nach.

Ulla Grigat greift das Thema im Bild formalästhetisch auf, Thomas Klein in der Skulptur formalistisch. Er fügt eine starre Gitterstruktur und Glasstangen zur optischen und konstruktiven Koexistenz. Der Betrachter darf eingreifen und die Position der Glasstangen im gespiegelten Gefüge verändern. Im großformatigen Bild der Künstlerin Menia schwingt die Sehnsucht nach harmonischer Koexistenz von Mensch und Tier. Brigitte Zarm öffnet Objekte wie ein Buch, um in der Verknüpfung von Naturbild, Eingriff und ornamentaler Abstraktion eine naturphilosophische Koexistenz zu thematisieren.

Zum Thema Umwelt und Mensch besinnt sich Christa Hahn auf einen alten Bildschirm, der das Video dampfender Kühltürme zeigt. Fast scheint das Video still zu stehen, und doch kippt irgendwann die Darstellung, so dass der Dampf nicht mehr aufsteigt, sondern eingesogen wird. Renate Fellner empfängt und verabschiedet die Besucher mit einer Bronzefigur, die halb Mensch, halb Tier ist und den faustischen Gedanken einer inneren Koexistenz aufgreift.