Mönchengladbach : Geschichten vom Gott aus der Garage

Der Mönchengladbacher Künstler und Kunstwissenschaftler Karl-Josef Weiß-Striebe stellt im städtischen Projektraum EA 71 aus. Seine Collagen erzählen von Aufständen, Menschenversammlungen und Säuberungen jeglicher Art.

Karl-Josef Weiß-Striebe erzählte bereits Geschichten mit seinen Bildern, als das Geschichten-Erzählen in der Kunst noch verpönt war. Das war in seinen studentischen Anfängen der 1970er Jahre. Der 1950 geborene Maler und Kunstwissenschaftler erzählt immer noch Geschichten, vielschichtige und rätselhafte. „Ich bin auf der Suche nach Bildern“, sagt Weiß-Striebe. Die findet er im Internet, aber auch in Büchern, beispielsweise in medizinischen Handbüchern oder Büchern zur Haushaltsführung – vorzugsweise sollten es alte Exemplare sein. Händisch bearbeitet er die Abbildungen, indem er sie am Fotokopierer vergrößert, verkleinert, verwischt. Dann beginnt Weiß-Striebe damit, die Abbildungen zu Geschichten zu kombinieren. Dazu klebt er sie auf Bildträger wie Leinwände und Verpackungsmaterialien, womit er mit letzteren eine weitere Erzählebene hinzu addiert. Die Bildträger hat er im Vorfeld vorbereitet: Mit kräftigen leuchtenden Farben in geometrischen Mustern wurden sie bemalt, Muster, zu denen den Maler die Verpackungsmaterialien inspirieren.

„Die Welt ist bunt“, stellt Weiß-Striebe lapidar fest. Bunt nicht im Sinne von fröhlich, sondern von vielfältig. In diese Welt nun setzt er seine Erzählungen. Erzählungen von Aufständen, Menschenversammlungen, Säuberungen jeglicher Art und schließlich die von dem „Gott aus der Garage“ – die für die Ausstellung titelgebende Arbeit.

Seine Recherchen und Suche nach Bildern fördern ungewöhnliches Bildmaterial zu Tage. 1919 ließ Präsident Wilson in den USA den „Durchschnittsamerikaner“ ermitteln und von einem Bildhauer bauen. Das Ergebnis wurde als nicht wünschenswert verbannt. Ein Foto in der Collage von Weiß-Striebe zeigt einen schmalen Mann mit herunterhängenden Armen. Umgeben ist er von Bildern, von Werkzeugen, einer Garage – eine banale Umgebung für einen besonders großartig gewünschten Menschen. Ein düsteres Thema behandelt „Der Aufstand“: den Säuberungen der griechischen Junta werden die putzende Hausfrau und der an ein EEG angeschlossenen Kopf entgegen gestellt.

Man kennt Collagen, in denen die einzelnen Elemente fast nahtlos ineinander übergehen. So arbeitet Weiß-Striebe nicht. Seine Welten sind klar erkennbar, voneinander getrennt und doch irgendwie miteinander verbunden. Schön, wenn die Herkünfte der Elemente erklärt werden. Aber auch ohne lässt sich gucken, denn: Den Assoziationen sind keine Grenzen gesetzt.

Mit einem Zitat von Antonio Lobo Antunes lädt Weiß-Striebe zu seiner Ausstellung in den Projektraum EA 71 an der Eickener Straße 71 ein: „Die sehr festen Vorstellungen münden in Gewissheiten, und wo Gewissheiten sind, ist Kunst unmöglich.“ Die Gewissheiten in Weiß-Striebes Bildern sind marginal …

Die Ausstellung ist bis zum 13. August samstags und sonntags von 12 bis 16 Uhr geöffnet. Informationen unter 01525 1914561