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Mönchengladbach: Künstlerinitiative präsentiert 26 Künstler im ehemaligen Krankenhaus Maria Hilf

Ausstellung von 26 Künstlern : Krasse Kunst im Krankenhaus

26 Künstler haben in der leerstehenden Klinik Maria Hilf jeweils einen Raum mit einer auf den Ort bezogenen Arbeit in Besitz genommen. Der frühere Operationstrakt wirkt ziemlich unheimlich.

Menschenmassen schoben sich durch die schmalen Gänge und Räume der HNO-Abteilung des ehemaligen Krankenhauses Maria Hilf. Die Mönchengladbacher Künstlerinitiative Mischpoke hatte zu einer großen Kunstausstellung eingeladen und viele, viele kamen.

Mischpoke ist bekannt dafür, besonders interessante leerstehende Räume zu entdecken und sie ortsbezogen mit überraschender Kunst zu erfüllen. Künstler Wolfgang Hahn, der Vorsitzende des Vereins, hatte die Idee, das alte Krankenhaus zu bespielen. 26 Künstler wurden eingeladen. Jede und jeder von ihnen suchte einen Raum aus und verwandelte ihn mit neuen bzw. angepassten Arbeiten in einen temporären Galerieraum.

Das Künstlerduo Jellyspoor mit Evamaria Schaller und Andreas Gehlen wählte den Anmelderaum für OPs aus. Über der Theke hängt ein sich drehender Monitor, auf dem die beiden Künstler, in weiße, anonymisierende Anzüge gekleidet, den Raum und seine Einrichtung untersuchen und bewegen. Die Arbeit wirkt ebenso ruhig wie geisterhaft. Eine unheimliche Atmosphäre schafft auch Emily Goede: Im Kopier- und einem weiteren kleinen Raum lässt sie Pflanzen wuchern und wachsen – das Krankenhaus scheint schon von der Natur übernommen worden zu sein. Oder werden hier möglicherweise neue Pflanzen gezüchtet?

Dass Kunst den Menschen im wörtlichen Sinne umfangen kann, zeigt Anna Schütten. Lange schmale bemalte und in Farbe getauchte Leinwandstreifen hängen von der Decke eines Raumes herab. Der Besucher lässt sich einfangen und von Kunst berühren. Im Gang ertönt regelmäßig ein aufdringlich schriller Ton – eine weitere Arbeit von Schütten, die die Sinne des Besuchers unmittelbar trifft.

Den Chefarztraum transformiert die Krefelder Künstlerin Brigitta Heidtmann: in den Regalen und auf dem Boden finden sich ihre reduzierten Gipskarton- und Papierobjekte. Mappen mit den ursprünglich angebrachten Markierungsreitern werden Grundlage zu spannungsvollen Zeichnungen – die Mappen scheinen direkt aus dem Schreibtisch des Chefarztes gekommen zu sein.

Im Operationstrakt wird es ebenso spannend wie unheimlich. Viktoria Strecker und Severin Spengler haben sich des Operationssaales und des Vorbereitungsraumes bemächtigt: der kleinere Raum hängt voller Zeichnungen: schwarze Kartons sind mit weißer Tusche bemalt. Es entwickeln sich abstrakte Liniengeflechte, an Sonnensystem erinnernde Gebilde – traumhafte Welten. Und gleich nebenan schließt sich ihre raumfüllende Installation aus zerstörten und intakten Glasbausteinen an, die in dem verdunkelten Raum zaghaft hinterleuchtet werden.

Kaum merklich dagegen ist die künstlerische Intervention von David Semper. Im OP-Vorbereitungsraum sind die Oberflächen der Tische mit Graphitstaub eingerieben, so dass verhaltene Muster erscheinen – die Assoziation an Röntgenbilder liegt nahe.

Weitere interessante Raumverwandlungen zeigen: Petra Albrand, Jonas Bechtloff, Christoph Bucher, Minerva Cuevas, Jörg Gelbke, Alex Grein, Birgit Jensen, Karlheinz Koch, André Linpinsel, Sulamith Loomans, Jon Moscow, Nadja Nafe, Kriz Olbricht, Julia Reitz, Markus Radermacher, Roland Schön, Katharina Stangler, und Till Terschüren.

Die Ausstellung im ehemaligen Krankenhaus Maria Hilf auf der Sandradstraße 43 in Mönchengladbach ist am 7. und 8. und am 14. und 15. September jeweils von 13 bis 17 Uhr geöffnet. Jeweils um 15 Uhr wird es eine Führung geben.