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Mönchengladbach: Konzert von Barbare Dennerlein

Konzert in Mönchengladbach : Dennerleins verblüffende Fußtechnik

Zum Auftakt der Reihe „Jazz in der Kirche“ begeisterte die Organistin Barbara Dennerlein die Zuhörer in Mönchengladbach. Sie spielte ihr Konzert auf einer Hammond-Orgel, die sie eigens für den Jazz etwas umgebaut hat.

Vor voll gefüllten Bänken durfte Bürgermeister Ulrich Elsen die Neuauflage von „Jazz in der Kirche“ in der Evangelischen Hauptkirche Rheydt eröffnen. Das Kulturbüro der Stadt Mönchengladbach, das Land Nordrhein-Westfalen, die Stiftung Falkenreck, zahlreiche Sponsoren und ehrenamtliches Engagement - nicht zuletzt des 2017 gegründeten „Jazzclub Mönchengladbach“ und der beteiligten Kirchengemeinden - hatten die Durchführung von acht hochkarätigen Konzerten möglich gemacht.

Immerhin war es gelungen, zur Auftaktveranstaltung eine Künstlerin von internationalem Rang zu verpflichten, die Jazz-Organistin Barbara Dennerlein. Auf der für Jazz hervorragend geeigneten pneumatischen Kirchenorgel hatte sie vor Jahren schon einmal ein Konzert gegeben, was zahlreichen Musikfreunden noch in bester Erinnerung ist. Jetzt konzertierte sie auf der Hammond-Orgel, einem Instrument, das seine große Zeit schon hinter sich hat, für das sie aber nach wie vor ein großes Faible hat. Die elektromagnetischen Hammond-Orgeln wurden als Einzelinstrumente mit individuellen Unterschieden gebaut. Das letzte - nach seinem Erfinder Laurens Hammond benannte - Instrument wurde 1975 fertiggestellt.

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Akustisch und von einigen Plätzen auch optisch fiel von Beginn an ein tiefes rhythmisches Fundament auf, das klanglich an einen Kontrabass erinnerte. Verfügt der von Dennerlein gespielte Instrumententyp B3 über ein entsprechendes Register? Ja und nein, zunächst einmal nicht. Um aber den für Jazz wichtigen Bass spielen zu können, ließ die Organistin Töne eines Kontrabasses digital samplen und mit einem Pedalwerk kombinieren. Wer von seinem Platz aus sehen konnte, wie Dennerlein allein mit dem linken Fuß über die Pedale geradezu hüpfte und tanzte, dem konnte schon vom Zuschauen schwindelig werden. Hohes Tempo, Treffsicherheit und nicht zuletzt eine erstaunliche gymnastische Fertigkeit wirkten bewundernswert zusammen. Die schnellen Tonfolgen bewältigte die Organistin mit nur einem Fuß, weil sie mit dem rechten über das Schwellwerk die Lautstärke variierte.

Die Themen, über die sie ihre abwechslungsreichen Improvisationen entwickelte, stammten aus ihrer eigenen Feder. Angeregt wurde Dennerlein dazu unter anderem durch Alltagserfahrungen, sei es bei einem Blues gegen trostlos graues Wetter in München oder gegen den Lärm von Straßenarbeiten vor der eigenen Wohnung. Ein Maximum an Virtuosität, auch für die Hände, vor allem aber für die Pedaltechnik, steckte in einem Boogie-Woogie. Auch Lateinamerikanisches (Bossa Nova) stand auf ihrem Programm.

Ihre Moderationen, bei denen eine sympathische Natürlichkeit und eine große menschliche Ausstrahlung spürbar wurden, waren gleichermaßen informativ wie unterhaltsam. Die Begeisterung der Zuhörer war groß, natürlich wollten sie noch eine Zugabe hören. Die gab es auch noch, versetzt mit Anklängen an Bachs berühmte Orgel-Toccata in d-moll. Mit dem Titel „Going Home“ machte Barbara Dennerlein zugleich unmissverständlich deutlich, dass nach dem physisch anstrengenden Programm dann aber auch mit dem Spielen Schluss sein musste. Unabhängig davon stand sie aber im Anschluss für lockere und anregende Gespräche mit Zuhörern ganz unkompliziert zur Verfügung.