Mönchengladbach: Konzert in St. Helena huldigt Bach, Baur, Blomenkamp

Konzert : Welturaufführung in St. Helena

Anette Maiburg und Reinhold Richter huldigten den drei „Bs“: Bach – Baur - Blomenkamp.

Jörg Lengersdorf, beliebter Moderator bei WDR 3 (Klassikforum, Lieblingsstücke), machte es den Besuchern in der ganz gefüllten Rheindahlener Kirche bewusst: „Sie hören jetzt eine Welturaufführung!“ Dann erklang das Auftragswerk des Förderkreises „Geistliche Musik in St. Helena“ – „Aeolus“ – ein siebenminütiges Tongemälde für Querflöte und Orgel von Thomas Blomenkamp (*1955). Das anmutige Werk, das vor allem in technischer Hinsicht den beiden Interpreten Virtuoses abverlangte, aber sehr angenehm anzuhören war, lässt mit seinen huschenden, immer wieder von Orgeleinwürfen unterbrochenen Klangkaskaden der Flöte durchaus an Aeolus, den griechische Gott der Winde denken. Thomas Blomenkamp durfte sich beim Gedenkkonzert anlässlich des 100. Geburtstages von Komponist Jürg Baur (1918-2010) über nachdrücklichen Zuspruch des Publikums freuen.

Der in Meerbusch lebende Komponist war Schüler Baurs an der Kölner Musikhochschule und berichtete im Gespräch mit Lengersdorf voller Hochachtung von seinem Lehrer, der seinen Schülern viele kompositorische Freiheiten ließ.

Jürg Baur studierte zunächst Kirchenmusik und war jahrelang Kantor an der Düsseldorfer Pauluskirche, ehe er sich vollends der Lehrtätigkeit widmete. Kantor Ulrich Leykam, der ebenfalls anwesend war, berichtete von Begegnungen mit Baur, der beim Gottesdienst gemeinsam mit seiner Frau immer in derselben Bank zu finden war, und von dem er die Erlaubnis erhielt, die Blockflötenstimme der Canzona für Blockflöte und Orgel über „Innsbruck ich muss Dich lassen“ für Querflöte umzuschreiben. Diese Fassung war dann auch im Konzert zu erleben.

Die Orgel-Partita „Aus tiefer Not“ (1965) war das erste Baur-Opus, das Reinhold Richter einstudierte. Mit einer Aufnahme davon besuchte der Kantor den Tonschöpfer in Düsseldorf und durfte von ihm viel Zustimmung erfahren. Bei dieser Gelegenheit erfuhr Richter auch, dass eines von Baurs Examensstücken beim Kantorenexamen das Bach-Präludium h-Moll BWV 544 war. So war es für den Helena-Kantor Ehrensache, diese beiden Werke mit ins Programm zu nehmen. Dem Präludium von Bach schenkte er eine brillante, gut durchhörbare Interpretation mit intensiven Registerfarben, während er die dreisätzige Baur-Komposition durch klare Gliederung und gut gewählte Klangfarben auch dem in modernen Klängen wenig geübten Zuhörer nahe zu bringen wusste.

Querflötistin Anette Maiburg, die mit Jörg Lengersdorf über ihre große Liebe zu Johann Sebastian Bach sprach, beglückte mit einer intensiven, von glasklarer, wandlungsfähiger Tongebung getragenen Wiedergabe der „Allemande“ aus der a-Moll Partita BWV 1013 für Flöte solo und – nun von Richter an der Truhenorgel begleitet – der „Siciliana“ aus der Sonate Es-Dur für Flöte und Orgel BWV 1031, beides von Bach.

Mit dem meditativen „Largo e dolce“ aus der Bach-Sonate h-Moll BWV 1030 beendeten Anette Maiburg und Reinhold Richter dieses außergewöhnliche Konzert. Das Publikum honorierte ihre Darbietung mit tosendem Beifall.

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