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Mönchengladbach: Konzert für Orgel und Bratsche in St. Helena in Rheindahlen

Orgelkonzert in Mönchengladbach : Die „emanzipierte“ Bratsche in St. Helena

Helena-Kantor Reinhold Richter und Bratschist Albert Hametoff hatten sich für ihr erstes Duo nach dem Lockdown in der Pfarrkirche von Rheindahlen viel vorgenommen.

Ein Jahr hatten Reinhold Richter und der Förderkreis Geistliche Musik in St. Helena konzertabstinent leben müssen. Mit einem Konzert für Bratsche und Orgel konnte nun nachgeholt werden, was im Herbst dem Corona-Lockdown zum Opfer gefallen war: Albert Hametoff, in Russland geborener Bratschist, führte zusammen mit dem Helena-Kantor Reinhold Richter an der Orgel ein Duo-Programm in der Rheindahlener Pfarrkirche auf, das es in sich hatte. „Wir wollen wenig bekannte, aber hochwertige Stücke des musikalischen Erbes vorstellen“, gab Richter als Motto für die musikalische Reise durch vier europäische Länder aus.

Mit an J. S. Bach erinnernden Figuren aus einer Sonate des zu Lebzeiten berühmteren Hamburger Zeitgenossen Telemann ging es los. Hametoff, an der Truhenorgel von Richter begleitet, hatte da zwar noch mit akustischen Tücken zu kämpfen. Im Mittelsatz glänzte der Solobratscher der Niederrheinischen Sinfoniker mit auf meisterhafter Bogentechnik fußender Klangentfaltung. Noch mehr Eindruck machte das Klangvolumen, das Hametoff auf der Orgelbühne solistisch aus einer Suite Max Regers zu formen verstand. Auch die Trauermusik, die Paul Hindemith 1936 in London anlässlich des Todes des englischen Königs George V. komponiert hatte, sorgte für erhebende Momente. Richter ersetzte dabei das Streichorchester des Originals mit einfühlsamer Registrierung.

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Als Solist begeisterte der Kantor an derKostenpflichtiger Inhalt großen Seifert-Orgel mit einem Triumphmarsch des Niederländers Jan Nieland; dabei sorgte Richter mit außergewöhnlichen Zungenregistern für Abwechslung. In der Romanze G-Dur des Norwegers Johan Severin Svendsen, eigentlich für Violine und Streicher notiert, setzte wieder der Bratschist bruchlos über die vier Saiten einen famos aufblühenden Klang in Szene. Damit gelang ihm nicht weniger als die vollgültige Emanzipation seines Streichinstruments von der ­Geige. Dirk Richerdt