Konzeptentwicklung in Mönchengladbach Wie die Stadt mehr kulturelle Bildung bieten will

Mönchengladbach · In der Kulturszene gibt es eine Fülle von Institutionen, Organisationen und freie Schaffende. Was den Akteuren fehlt, was getan werden kann und wie Kultur und Künstler in die Ganztagsschule eingebunden werden sollen, stellt ein Konzept vor.

Beim Youtopia-Festival im Juni picknickten die Jugendlichen im Skulpturengarten und lauschten der Musik der Bands.

Beim Youtopia-Festival im Juni picknickten die Jugendlichen im Skulpturengarten und lauschten der Musik der Bands.

Foto: Ansgar Fabri

Das Kulturbüro hat im Februar und März 2022 eine Online-Befragung bei 650 sogenannten Akteurinnen und Akteuren der Gladbacher Kulturszene durchgeführt. Diese Auswertung der Befragung ist Teil des „Kommunalen Gesamtkonzepts für kulturelle Bildung“, das von der zuständigen Mitarbeiterin im Kulturbüro, Birte Wehmeyer, im Kulturausschuss vorgestellt wurde. In einer 38 Seiten umfassenden Broschüre stellt das Kulturbüro eine Bestandsaufnahme, die Auswertung der Befragung sowie Ziele und Maßnahmen und einen Ausblick vor, um das kulturelle Leben und die kulturelle Bildung weiterzuentwickeln und die Akteure miteinander zu vernetzen.

In der ausführlichen Bestandsaufnahme werden in den Teilen „Kultur“, „Kinder, Jugend, Familie“ und „Bildung“ die verschiedenen Einrichtungen aufgeführt – darunter die Museen und das Theater, aus der freien Szene das BIS-Zentrum  und Tageseinrichtungen und Angebote der offenen Kinder- und Jugendarbeit  – die kulturelle Bildung ermöglichen und anbieten. Mit den Projekten „Sommerleseclub“, „Kulturrucksack“ oder der „Nacht der Jugendkultur“ findet auch eine Zusammenarbeit auf Landes- und Bundesebene statt.

Für die Entwicklung eines Konzepts braucht es allerdings mehr als die Auflistung des Ist-Zustands. Deshalb sind die Akteure der Szene selbst in einer Online-Kurzbefragung mit ins Boot geholt worden. Von rund 650 Befragten haben 14 Prozent eine Rückmeldung gegeben. Durchschnittlich betrage die Rücklaufquote fünf bis zehn Prozent. Die Auswertung hat gezeigt, dass den Kunstschaffenden  und -treibenden vor allem eine strukturelle Vernetzung, eine verbesserte Sichtbarkeit und eine Professionalisierung fehlen.

Darauf hat das Kulturbüro mit der Gründung des Gremiums „Fachaustausch kulturelle Bildung“ reagiert. Beteiligt sind unter anderem Vertreter der Museen, der Musikschule, der Stadtbibliothek und der Fachbereiche Kita und Jugendpflege. Als erstes wird die Frage gestellt: Wie kann kulturelle Bildung wirkungsvoll und nachhaltig nach vorne gebracht werden? Der Beratungskreis hat dazu vier Arbeitsfelder lokalisiert, die unter der Rubrik „Ziele und Maßnahmen“ im Konzept aufgeführt sind. Zu jedem Arbeitsfeld sind ein Ziel und konkrete Maßnahmen formuliert. Die Einrichtung eines Info-Kanals trifft ebenso für das Arbeitsfeld „Kommunikation und Sichtbarkeit“ wie auf „Vernetzung und Austausch“ zu. Für das Feld „Partizipation“ stehen beispielsweise die Formate „Youtopia“ und „oMG“ Pate, die in den Bereich der Jugendarbeit fallen und eine Schnittmenge mit der kulturellen Bildung bilden.

Um für den Rechtsanspruch auf Ganztagsbetreuung in Schulen ab 2026 und dem Bedarf der sinnvollen Gestaltung vorbereitet zu sein, sind konkrete Projekte in der Vorbereitung beziehungsweise Umsetzung. Das Kulturbüro arbeitet gerade am Einstieg in das Förderprogramm „Kulturstrolche“, das im Ganztag durchgeführt werden soll. Die Umsetzung startet nach den Sommerferien 2024. Das Förderprogramm „JeKits“ (Jedem Kind ein Instrument, Tanzen oder Singen) ist im Sommer 2023 mit der Grundschule Venn angelaufen. Die Initiative „Künstler in die OGS“ soll Angebote von freien Künstlern in den Ganztag bringen und startet ebenfalls 2024.

Laut Papier kann „kulturelle Bildung als Querschnittsdisziplin mit hohem Potenzial für eine ganzheitliche Persönlichkeitsentwicklung eine wichtige Rolle übernehmen“, deshalb kristallisiert sich die Förderung im Ganztag als ein Schwerpunktthema des Konzepts heraus.

Mit dem „Kommunalen Gesamtkonzept für kulturelle Bildung“ bewirbt sich das Kulturbüro beim gleichnamigen Landeswettbewerb. Die Jury tagt noch in diesem Jahr. Bei Gewinn stehen zusätzlich 15.000 Euro Preisgeld für die Umsetzung der Projekte zur Verfügung. Erstmals wird 2023 eine „Sonderzulage Ganztag“ ausgelobt, für die das Konzept auch infrage kommt. Birte Wehmeyer betonte, die Finanzierung der Maßnahmen sei über bestehende Etats möglich und unabhängig vom Preisgeld.

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