Mönchengladbach : Video killed the Medienstar

Ein Video zerstört die Karriere von ein Superstar! Verständlich, denn der Mitschnitt von Madonnas Live-Gesang beim ESC ist wirklich nix für verwöhnte Ohren. Aber das sind nicht die einzigen Aufnahmen, die ein Volksheld zu Fall bringen.

Ein feucht-fröhliches Urlaubsvideo aus Ibiza hat in Österreich eine Regierungskrise ausgelöst. Die Bilder unterscheiden sich zwar nicht großartig von die Kabinenmeisterfeier von Bayern München, aber der Inhalt ist dafür umso explosiver. Der mittlerweile Ex-Vize-Kanzler Heinz-Christian Strache von der FPÖ (das ist österreichisch für AfD) erzählt nämlich moralisch höchst verwerfliche Dinge. Unter anderem versucht er eine reiche Russin zu überzeugen, die Kronen-Zeitung zu kaufen, damit die künftig in Österreich etwas mehr nach dem Rechten sieht. Schlauer wäre gewesen, stattdessen der Spiegel und die Süddeutsche Zeitung kaufen zu lassen, denn die haben das Skandalvideo jetzt veröffentlicht. Da es sich dadrin um Landesverrat, Steuerhinterziehung und Korruption geht, sind alle empört. Sogar Straches eigene Parteikollegen sind bestürzt, allerdings dadrüber, dass er so blöd war, sich erwischen zu lassen, indem er auf eine gefälschte Oligarchin reinfiel. Dabei sieht man auf das Video genau, dass er die Falle gar nicht riechen konnte, weil er die Nase voller Koks hatte. Da sich der Skandal nicht mehr wegdiskutieren lässt, bemühen befreundete Rechtspopulisten – wie üblich – diverse Verschwörungstheorien über die niederträchtigen Motive der Hintermänner. Aber warum ist die Herkunft des Videos plötzlich wichtiger als der Inhalt? Wenn am Sonntag bei die Europawahl für manche immer noch die AfD die Antwort ist – wie dämlich muss dann eigentlich die Frage gewesen sein?! Mittlerweile haben alle FPÖ-Minister aus Protest ihr Amt niedergelegt und sollen jetzt bis zur Neuwahl im September von Experten ersetzt werden. Da frage ich mich: Wär das nicht von Anfang an die bessere Lösung gewesen?!

Euer Hastenraths Will

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