1. NRW
  2. Städte
  3. Mönchengladbach
  4. Kultur

Mönchengladbach: Klassik und Oldies bei der Sommermusik Schloss Rheydt

Auf Schloss Rheydt : Sommermusik von Faust bis Major Tom

Die Niederrheinischen Sinfoniker begeisterten beim Klassik Open Air am Rheydter Schloss. Etwas andere Töne schlugen Fun and Friends an.

Sie sind zurück aus den Orchesterferien. Offenkundig gut erholt und voller Energie stellten sich am Freitag die Niederrheinischen Sinfoniker unter Mihkel Kütson beim Klassik Open Air der Sommermusik Schloss Rheydt dem Publikum. Ausverkauft! Das dürfte die Euphorie bei den Musikern und ihrem „General“ zusätzlich angefacht haben. Famos entspannt und zu witzigen Gesten aufgelegt präsentierte sich Kütson nach seinem Urlaub. Der Grund für die fröhliche Haltung lag im Motto des Abends: „L’amour, toujours l’amour“, angelehnt an einen Song des DJs Gigi D’Agostino.

„Immer die Liebe“ - darum ging es mehr als zwei Stunden lang, und dabei konnten die Niederrheinischen Sinfoniker mit einem Medley aus französischen und italienischen Opern alle Register ziehen – auf technisch wie interpretatorisch hohem Niveau. Moderator und Sommermusik-Chef Günter vom Dorp zog den roten Faden durch die Wirrungen besungener Liebe.

Fünf Solisten konnten dabei Aufmerksamkeit auf sich lenken. Anders als im Vorjahr, als die Zuhörer mit einem Solotrompeter vorlieb nehmen mussten, wurden sie diesmal mit einem opulenten Angebot sängerischer Hochkompetenz verwöhnt. Seine kurze Arie „Le veau d’or“ (Das goldene Kalb) aus Gounods „Faust“ nutzte Rafael Bruck in der Rolle des Mephistopheles, um sich glaubhaft als Heldenbariton vorzustellen. Valerie Eickhoff (Mezzosopran) aus dem Opernstudio Niederrhein beeindruckte mit geschmeidigen Koloraturen in Aubers „Le domino noir“. Beim Blumenduett aus „Lakmé“ von Delibes mit Sopran-Kollegin Sophie Witte blieb nicht lange unklar, welche Sängerin über das größere Tonvolumen verfügt. Witte sorgte im Duett mit dem brillanten Tenor Woongyi Lee als Mimi in einer Szene aus Puccinis „La bohème“ für einen Gipfelsturm der Gefühle.

Bevor die vier Spitzenkräfte des Opernensembles sich mit einer Szene aus Verdis „Rigoletto“ im Quartett empfahlen, kitzelte Konzertmeister Philipp Wenger alle ihm verfügbare Ausdrucksmacht aus seinem Geigenbogen, um den Song „I will wait for you“ aus dem Musicalfilm „Die Regenschirme von Cherbourg“ zu veredeln. Das war einfach toll, ebenso die zugegebenen „Rausschmeißer“ von Sauguet und Chabrier.

Andere Töne wurden an gleicher Stelle am Samstag angeschlagen. Pünktlich zum Glockenschlag der Turmuhr auf der Vorburg von Schloss Rheydt setzten Fun and Friends zur musikalischen Zeitreise in die Pop- und Rockgeschichte an. Das knappe Läuten zur halben Stunde glich dem Hinweis auf den Lauf der Zeit. Im zwölften Jahr hat die Symbiose der Sixties Band Fun mit dem Jugendsinfonieorchester der Stadt, unterstützt vom Vokalensemble „Stimmlich“ und Solisten, längst Kultstatus. Diese Verbindung garantierte erneut eine hinreißende Interpretation von Oldies, die Pop- und Rockgeschichte schrieben und doch über die Jahre ihr Feuer bewahrt haben. Die Ouvertüre des Jugendsinfonieorchesters zeigte, wo es langgeht.  Kurze Sequenzen, arrangiert für das Orchester, erinnerten an bekannte Hits und gaben unter Christian Malescovs Leitung einen schwungvoll pfiffigen Vorgeschmack auf das üppige Programm. Das traf mit großen Gefühlen und leidenschaftlichem Drive erneut mitten ins Herz des Publikums.

  „Wir machen heute Party“, rief Günter vom Dorp, Initiator der Sommermusik und an diesem Abend Leadsänger, den gut 1.000 Besuchern zu. Er moderierte und sang, rockte die großen Hits und entzündete Erinnerungen. „Ach ja“ klang es häufig aus den Reihen des Publikums. Das ließ sich in die Musik fallen und ging euphorisch mit.

Nadine Stapper begeisterte mit Temperament und Gefühl. In Soli und Duetten mit vom Dorp oder Rob Sure entfachte sie ein wohliges Kribbeln zu schmelzenden Balladen und im wörtlichen Sinn großes Kino zum beherrschenden Song des Musikfilms „A star is born“. Sure betörte die Zuhörer mit Stimme und Mundharmonika. Seine grandios gesteigerte Adaption von „Sound of Silence“ ging unter die Haut. Fantastisch war auch, wie das Orchester am Ende des Liedes das Thema intensiv nachglühen ließ. Das Vokalensemble „Stimmlich“ rundete die Beiträge einfühlsam ab. Solistinnen aus der eigenen Reihe ernteten lauten Jubel für „When you believe“ und „Mama Lou“. In Erinnerung an die Mondlandung vor 50 Jahren reisten Fun and Friends mit Peter Schillings „Major Tom“ zu den Sternen. Die Begeisterung auf und vor der Bühne besänftigte Vorboten eines Unwetters, das sich auf drohendes Leuchten und Windböen zurücknahm. So blieb Zeit für die große Zugabe, bekrönt von John Miles „Music“.