Mönchengladbach: Kammerkonzert zum Gedenken an in KZs ermordete Komponisten im Bunker Güdderath

Bunker Güdderath : Weltuntergangsmusik

Kammerkonzert zum Gedenken an in KZ ermordete Komponisten im Bunker.

„Es ist richtig, was wir hier machen“, sagt ein sichtlich um Fassung ringender Bernhard Petz bei der Begrüßung des Konzertpublikums in seinem Bunker in Güdderath. Der Künstler, Kreative und Tubist der Niederrheinischen Sinfoniker hat in den Eingeweiden des Betonklotzes aus dem letzten Weltkrieg neben Ausstellungsräumen für seine Skulpturen und Fotografien einen Konzertraum geschaffen, in dem an diesem Abend Musik erklingen wird, die sämtlich von Komponisten stammt, die in Nazi-KZs ermordet wurden. Dass wenige Stunden zuvor der Anschlag auf die Synagoge in Halle das Thema Rechte Gewalt in Deutschland auf so brutale Weise aktualisiert, macht alle Anwesenden betroffen. Und einig in dem auch musikalischen Ringen um Humanität.

Zwischen die an sich schon recht schauerlichen Betonwände inszeniert Petz einen deckenhohen Galgen mit einem stilisierten kopflosen Opferlamm am Strick an den Rand des Podiums. Hier nehmen neben dem Flügel im Lauf des Abends noch vier Streicher Platz an gusseisernen Notenpulten. Kollegen aus dem Orchester sämtlich, auch der famose Flötist Dario Portillo Gavarre. Der entzückt, begleitet von Solorepetitor Michael Preiser, mit Leo Smits Flötensonate von 1943, einer äußerst differenzierten Partitur, die in die Klangwelt von Debussy getaucht ist. Es ist das vielleicht romantischste Stück des Konzerts, zugleich das anspruchsvollste. Der in Sobibor ermordete Niederländer ist ein – fast vergessener - Meister seines Fachs.

Von Hans Krasa, dem in Auschwitz getöteten Tschechen ist zuletzt seine Kinderoper „Brundibar“ wieder zu Ehren gekommen. Seine „Passacaglia und Fuge“ für Streichtrio, ist ein reichlich verqueres Stück, das 1944 für die Musiker im KZ Auschwitz entstanden ist. Das thematische Material wird arg in rhythmische Zwangsjacken gesteckt, reichlich hölzern gegeneinander ausgespielt. Melodie: Mangelware. Zu den Streichern Noh Yun Kwak, Laura Krause und Konrad Philipp gesellt sich für Pavel Haas‘ 3. Streichquartett Anna Maria Brodka. Der ebenfalls in Auschwitz ermordete Tscheche gilt als Janaceks Meisterschüler. Das opulente Quartett zitiert viel böhmischen Volkston, der es jedoch im Tumult der Dissonanzen schwer hat. Erstaunlich, dass alle hier vorgestellten Komponisten sich für die Schlüsse ihre Werke einen Dur-Akkord erwählt haben. Und auch wieder nicht.

Gideon Kleins Klaviersonate von 1943 entstand in Theresienstadt als Werk des 24-jährigen Pianisten-Talents. Ein wütendes, von Preiser in die Tasten gehämmerter Versuch, die Wirklichkeit in Töne zu zähmen. Halle lässt grüßen.

 Info: www.die-herbstzeitlose.de

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