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Mönchengladbach: Kai Welf Hoyme ist ein vielseitiger Künstler

Künstler in Mönchengladbach : Ein Wanderer zwischen den Medien

Roboterbau, Malerei, Skulptur und Klanginstallationen – der Künstler Kai Welf Hoyme hat sich in seiner Karriere mit all dem schon beschäftigt. Momentan entwickelt der Mönchengladbacher ein neues Filmprojekt.

Der Anfang des Jahres lief bei dem Künstler Kai Welf Hoyme noch wie gewohnt. Im Januar hatte er zwei wichtige Ausstellungen. Die Präsentation „Landscape Abteiberg“, eine Gemeinschaftsarbeit mit dem Fotografen Fabio Borquez, bei dem das Stadtviertel von den beiden Künstlern audiovisuell erkundet wurde, und im Anschluss die Präsentation „Psycho-Topografien“ im Projektraum EA71.

Dort konnte der Besucher Kai Welf Hoymes neuen Kurzfilm mit dem Titel „Magnitude“ sehen. In ihm verbindet er die Biografie seiner rumänischen Mutter mit der Landschaft des Niederrheins, die die Geschichte dieser Frau spiegelt und kontrastiert. Seine Mutter unterlegt manche Szenen mit einem gesprochenen Gedicht, dazu gibt es Alltagsgeräusche. Der Film wurde im Mai 2019 bei den Internationalen Kurzfilmtagen in Oberhausen gezeigt. Mit einer Mischung aus Dokumentation und Experimentalfilm, mit audiovisuellen Experimenten findet Hoyme eine künstlerisch-poetische Form für die Darstellung einer Lebensgeschichte.

Dann kamen die Corona-Pandemie und ein vorübergehender öffentlicher Stillstand. Aber Hoyme arbeitete weiter, beteiligte sich aus der Ferne an Ausstellungen in den USA und Griechenland und ist jetzt dabei, ein neues Filmprojekt zu entwickeln.

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Während des Wochenendes der offenen Ateliers am 19. und 20. September wird er gemeinsam mit dem Lyriker Thomas Koch die von den beiden Künstlern entwickelte Performance „Sirenen“ zeigen. Die Hindenburgstraße wird abends zum Aufführungsort. An  verschiedenen Stationen werden lyrische Texte von Thomas Koch und eine Lichtintervention von Kai Welf Hoyme mit Text aus Homers Odyssee verknüpft. Es geht um Verschwendung – auch die Mülleimer auf der Hindenburgstraße werden eine Rolle spielen.

Unter der E-Mail-Adresse [email protected] können sich Interessierte zu der vom Kulturbüro geförderten Performance anmelden. Zehn Menschen können teilnehmen.

Kai Welf Hoyme wurde 1979 in Mönchengladbach geboren, ging hier zur Schule, experimentierte mit elektronischer Musik – in der Schule durfte er am Wochenende jammen – spielte Theater, machte seine ersten fotografischen Erfahrungen in dieser Stadt und schließlich sein Abitur. Danach war es sein Ziel, Film zu studieren. Er bewarb sich, erhielt aber keinen Studienplatz. Stattdessen entschied er sich, in Bochum Komparatistik mit dem Schwerpunkt Intermedialitätsforschung, Sozialpsychologie und Anthropologie sowie Philosophie zu studieren.

Was zunächst klingt, als sei dieser Studiengang weit weg von Hoymes ursprünglichen Ideen, entpuppt sich als das Gegenteil. In Bochum legte er sein Hauptaugenmerk auf  die Philosophie des Films, Medienphilosophie und Ästhetik sowie Literatur. Der aktiven Beschäftigung mit dem Medium Film blieb er auch während des Studiums verbunden, entfernte sich aber vom Erzählerischen hin zum experimentellen Gestalten.

2005 machte Hoyme seinen Magister und schloss von 2006 bis 2009 ein Studium an der Kunsthochschule für Medien in Köln an. Dort schöpfte er die angebotenen Möglichkeiten aus und bewegte sich zwischen Malerei, Skulptur bis hin zum Roboterbau und Klanginstallationen. 2009 beendete er sein Studium mit dem Diplom und setzte seine Arbeit als freier Künstler fort. Daneben ist Hoyme im Bereich der künstlerischen Bildung tätig.

Die vielfältigen Interessen an Musik, Fotografie und Theater als Jugendlicher, das breitgefächerte Studium – sie bilden die Basis für das, was Kai Welf Hoyme als Künstler ausmacht: seine Intermedialität, sein sicheres Sich-Bewegen zwischen den künstlerischen Ausdrucksmöglichkeiten. Film, Sound, Text und oft auch Bewegung – das alles gehört für den Künstler zusammen.

„Bestimmte Themen tauchen in meiner künstlerischen Arbeit immer wieder auf wie die Beziehungen von Körper zum Raum, das können äußere und mentale Räume sein“, erklärt Hoyme und fügt hinzu: „Ich sehe Kunst als eine Form der geistigen Auseinandersetzung mit der Welt mit anderen Mitteln.“

Der Ausgangspunkt ist oft eine private Erinnerung oder Erfahrung, die er dann vom Persönlichen in etwas Abstraktes übersetzt, das auch Gültigkeit für andere Menschen besitzt.