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Mönchengladbach: Johann Sebastian Bach für Kinder

Odenkirchen : Johann Sebastian Bach für Kinder

In der Vorweihnachtszeit erfreut sich Bachs Weihnachtsoratorium nach wie vor größter Beliebtheit. Auch in Odenkirchen hieß es: ausverkauft.

Voll war es schon zwei Stunden vor Beginn der Aufführung, und dabei ging es in den Kirchenbänken erheblich quirliger zu als üblich. Die berechtigte Sorge, dass sich der Zuhörer-Nachwuchs für klassische Konzerte nicht von selber einstellt und die Gewissheit, dass man auch Kindern den Reiz des Weihnachtsoratoriums vermitteln kann, hatten die Veranstalter zu einer begrüßenswerten Initiative veranlasst. Man lud alle Odenkirchener Grundschulen und die letzten Jahrgänge der Kindergärten ein zu einer etwa 50-minütigen kindgerechten Einführung in das Werk des großen Johann Sebastian in die Pfarrkirche St. Laurentius ein.

Methodisch musste das Rad dabei gar nicht neu erfunden werden. Michael Gusenbauer, ein Salzburger Orchestermusiker, hat seinerzeit eine didaktisch gut durchdachte Konzeption erarbeitet. Sie bietet keinen Schnelldurchgang durch das Oratorium, kein einfaches Zusammenstellen schöner Stellen, sondern lässt einen Erzähler geschickt den Kindern die Weihnachtserzählung und die musikalische Umsetzung vermitteln. Und als erfahrener Musikpraktiker machte Gusenbauer den Vorschlag, das Ganze kurz vor der Aufführung stattfinden zu lassen – wenn die vielen Mitwirkenden, also Solisten, Chor und Orchester, sowieso anwesend sind.

Die Kinder hatten viel Freude daran. Theaterschauspieler Ronny Tomiska spielte seine Rolle ganz ausgezeichnet. Gut gelaunt nahm er die Kinder mit auf die musikalische Reise und vermittelte ihnen anschaulich, wie ein Komponist die beabsichtigte klangliche Wirkung erzielt. Das Christuskind, heißt es, ist ein König. Aber welches Instrument klingt königlich? Da werden alle Orchesterinstrumente vorgestellt, bis schließlich klar wird: Am besten eignen sich dafür die Trompeten. Die taugen allerdings, und das wird auch vorgeführt, nichts für ein Wiegenlied. Da setzt der Komponist zu Recht lieber Holzbläser und Streicher ein.

Und schon bei der Einführung vor dem Konzert ahnt man, das bei der anschließenden Aufführung mit tadellosen Leistungen zu rechnen ist. Schon jetzt klingen Chor und Orchester ausgezeichnet, sowohl das Chorprojekt Mönchengladbach wie die Mitglieder der Niederrheinischen Sinfoniker. Von den Gesangssolisten gefielen Bettina Schaeffer (Alt), Thomas Peter (Bass) sowie Henning Jendritza (Tenor) als Evangelist schon bei den Beispielen vorm Konzert, Sopranistin Stefanie Kunschke kam überzeugend in der Gesamtaufführung hinzu.

Für die sorgfältige Einstudierung und die mit viel Beifall aufgenommene Aufführung zeichnete Chordirektorin Stephanie Borkenfeld-Müllers erfolgreich verantwortlich.