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Mönchengladbach: Jörg-Uwe Albig und Reinhard Olschanski in gemeinsamer Lesung

Lesung in Mönchengladbach : Albig und Olschanski: Wenn zwei Autoren ins Gespräch kommen

Der Förderverein „Lust am Lesen“ hatte zu einer Doppel-Autorenlesung eingeladen. Der Vorsitzende Peter Brollik moderierte die Veranstaltung in der Stadtbibliothek.

Die Abendveranstaltung in der Stadtbibliothek sollte ein Experiment werden, verriet Peter Brollik bei seiner Anmoderation. Zwei Autoren kommen miteinander ins Gespräch, Belletristik und Philosophie sollen aufeinandertreffen. Hinter dem Konzept standen der Förderverein „Lust am Lesen“ der Stadtbibliothek Mönchengladbach, die Volkshochschule Mönchengladbach und die Heinrich-Böll-Stiftung NRW. Auf dem Podium saß bereits Jörg-Uwe Albig, Autor des Romans „Zornfried“, der Sessel neben ihm war für den Philosophen und Publizisten Reinhard Olschanski gedacht, doch der, so Brollik, sei noch auf dem Weg, da die Deutsche Bahn nicht planmäßig führe und Olschanski das letzte Stück mit einem Taxi fahren müsse.

Die Erklärung war gerade gemacht, da kam der Autor auch schon durch die Eingangstür. Gerade noch pünktlich, doch für Absprachen mit Albig blieb keine Zeit. So gestaltete sich das Gespräch dynamisch und natürlich. Die beiden harmonierten miteinander und ergänzten sich. Das Verbindende: das Thema „rechter Populismus“. Das Unterscheidende: die Herangehensweisen – die Mittel der Belletristik bei Jörg-Uwe Albig, dem Journalisten und Romanautoren, und die Analyse bei Reinhard Olschanski, dem Philosophen mit mehrjähriger Erfahrung als wissenschaftlicher Mitarbeiter im Bundestag, Landtag und ebenfalls Autor.

Jörg-Uwe Albig machte den Anfang. In „Zornfried“ stößt der Journalist Jan Brock auf den rechten Dichter Strom Linné. Dessen poetischen Ergüsse faszinieren den Journalisten und stoßen ihn gleichzeitig ab. Jan Brock sucht den Dichter auf der Burg „Zornfried“ auf, wo dieser mit Vordenkern der „Neuen Rechten“ lebt. Dort verschwimmen bald die Grenzen zwischen „teilnehmender Beobachtung und beobachtender Teilnahme“, so Jörg-Uwe Albig. Jedem Kapitel stellte der Autor ein Gedicht des fiktiven Dichters Linné voran.

„Ich war von dem Buch gefesselt“, sagte Reinhard Olschanski nach der Lesung und wechselte schnell in die Rolle des Analytikers, betrachtete die Adjektive und Genitiv-Konstruktionen in den Gedichten und deren Wirkung auf die Leser. Olschanskis Buch „Der Wille zum Feind“ war an diesem Abend für ihn vor allem ein Stichwortgeber. Weniger die Lesung als das freie Referieren stand für ihn im Vordergrund, wenn es darum ging, politische Erscheinungen anhand von rhetorischem Vorgehen zu erklären. „Die klassische demokratische Rede besteht aus vier oder fünf Teilen: dem Sachverhalt, der Position, der Gegenposition und dem an das Gefühl appellierenden Moment“, so Olschanski.

Das Weltbild von Populisten passe in das Skriptschema eines Westerns. Klassisch würde man über eine Sache sprechen, man würde sachlich reden. In der populistischen Rede spräche man tatsächlich jedoch nicht über eine Sache, sondern über einen Feind, den Anderen, der nicht dazu gehöre.

Ein weiterer Aspekt des Abends war die Frage: „Inwieweit ist die neue Rechte ein Medienphänomen?“, deren Beantwortung sich Albin am Beispiel der politischen Karriere von Jean-Marie Le Pen annäherte.

In der anschließenden Diskussion konnte sich das Publikum direkt mit den Autoren austauschen, was zu einer lebhaften Debatte führte, kurz vor der Europawahl.