Mönchengladbach : Jazzig, jung, mit Perspektive

Die Gladbacher Jazzband Fourfold hat es mit unkonventioneller Besetzung und groovigem Sound auf Anhieb zum Viersener Jazzfestival geschafft. Die Jüngste ist 15, der Älteste 20. Ein Besuch im Proberaum unterm Dach.

Die vier sind ganz schön cool drauf, trotz Hitze und Enge auf diesem Spitzboden, den sie ihren Proberaum nennen. Fourfold. Die Schwestern Luzie (15) und Johanna (19) Micha fetzen ziemlich freche Patterns aus Trompete und Posaune, ihr Bruder Moritz (17) hat aus irgendeiner Ecke ein Kabel in seine mit pickenden Harmonien beschäftigte E-Gitarre gestöpselt, und Amon Verlinden (20) rührt mit hartem Stock sein Schlagzeug unmissverständlich tanzbar ins fast minimalistisch reduzierte Getümmel. Boden, Wände, Dachfenster beben. Auf einem freien Bodenstück hopsen Plastiksoldaten in einer Ritterburg, eine Vitrine ist mit Urwaldposter tapeziert, kultige Dinos grüßen aus den 1980ern herüber – verdutzt ob dieser ungewöhnlichen Musik.

Kinderzimmer mit Mischpult, Monitoren und Notenständer. Luca Esser fehlt, der Bassist ist neuerdings fünftes Mitglied des Kleeblatts, das seit zwei Jahren von sich reden macht. Jetzt hat es Fourfold als wohl jüngste Band der Geschichte aufs Internationale Jazzfestival Viersen geschafft. Als Gewinner der Jazzband Challenge. Neulich waren die Nachwuchsjazzer Stars für eine Stunde im Ali Haurand Keller und tags darauf Teil der Jazz Visions Night im Gladbacher BIS-Kulturzentrum.

Was ist das für Musik, die die vier (bis fünf) Musiker offenbar so originell machen, dass sie schon zwei Monate nach Bandgründung im September 2016 einen Preis bei „Jugend jazzt“ absahnten? Aus Johannas vom Posaunenmundstück kreisrund geröteten Mund kommt das Wort „Fusion“. Und die vier Freunde bekunden die Einflüsse von Rock, Jazz, Funk und Blues in ihre Musik. Die sei gar nicht so sehr von den üblichen Vorbildern wie Nils Landgren & Co geprägt, sondern eher vom Bigband-Konzept. „Wir erarbeiten sehr genaue Strukturen, die Soli sind eher klein und kurz“, sagt Moritz, der an seiner Gitarre die Last der Harmonien bisher allein tragen musste. Er hatte sich dazu mit einigen Bass-Loops beholfen, an deren Stelle jetzt Luca getreten ist.

Das Besondere bei Fourfold ist allerdings die keyboardlose Verwendung von Posaune und Trompete in der Band. Johanna, als ältestes der drei Geschwister aus (Pop-)Musik-affinem Elternhaus ist inzwischen ordentliche Posaunen-Studentin an der Essener Folkwang-Schule; Luzie will ebenfalls Musikerin werden. Und Moritz, der nächstes Jahr Abi macht, plant ebenfalls ein Schulmusik-Studium. Alle vier sind Gewächse der städtischen Musikschule, auch Amon, der bei Robert Hurasky lernte, inzwischen aber in Aachen „was Vernünftiges“ macht, nämlich Ingenieur wird.

Die noch verdammt jungen Leute plaudern gern und witzig über ihre Gemeinschaft, das wöchentliches Üben, vor den wichtigen Konzerten auch drei Proben pro Woche bedeutet, gerade in den Semesterferien. „Wir haben ja wirklich Spaß dabei, selbst wenn wir zwei Wochen vor dem Konzert noch ein neues Stück einüben“, sagt Johanna.

Noch sind alle Titel gecovert, sprich: auf die besondere Besetzung des Quintetts arrangiert. Aber die Struktur der Musik wird hörbar komplexer, Auswendiglernen noch mehr Arbeit. „Die Jugend-jazzt-Jury hat uns geraten, jeder von uns solle einem Idol nacheifern“, erzählt Amon. Das hindert die Musiker aber nicht daran, ihr eigenes Ding zu machen. Irgendwie ist ihr Jazz ja auch sehr nah an Tanzmusik gebaut. Und an der Außenwirkung arbeiten sie auch noch, damit ihre Lust an der Musik noch stärker über die Rampe kommt. Der Erfolg in Viersen jedenfalls lässt einiges für die Zukunft erwarten.