Mönchengladbach: Jazz-Trio lässt die Musik von Ray Charles aufleben

Konzert in Mönchengladbach : Jazz-Trio lässt die Musik von Ray Charles aufleben

Michael Kehraus, André Spajic und Martin Scholz interpretierten unterstützt von Sängerin Mara Minjoli die Werke des Sängers mit der Sonnenbrille.

Der neuerliche Versuch, Gladbachs schwächelnder Jazzszene auf die Beine zu helfen, scheint prächtig einzuschlagen. Auch die zweite Ausgabe der von Schlagzeuger André Spajic ins Leben gerufenen und vom Kulturbüro geförderten Reihe „Jazz@Theaterbar“ war ausverkauft, eine Karte hätte man sich schon zu Weihnachten schenken müssen. Diesmal ging’s in den Räumlichkeiten neben dem Foyer, die zu diesem Zwecke alles geben, Jazzkeller-Ambiente herzustellen, um Ray Charles, den großen Meister, ja Gott des Soul, dessen Hits einerseits unvergesslich, andererseits unerschöpflicher Steinbruch für musikalische Nachempfindungen anderer Genres improvisierter Musik bleiben.

Das Publikum sitzt in Stuhlreihen, ein paar Zuschauer lehnen am Stehtisch oder an der Theke, während auf der in rotes Licht getauchten Bühne Mara Minjoli ihre faszinierende Stimme in den Gefilden zwischen Soul und Pop-Jazz herumturnen lässt, dass es eine Freude ist. Diese knapp über 30-jährige Frau wuchert nach Lust und Können mit dem kamerunischen Einschlag ihres Gesangsinstruments, das sie an der Essener Folkwang-Uni ausbilden ließ und ihr schon manchen Jazz-Preis eingebracht hat. Fürs Ray-Charles-Memory hat sie eine rockröhrige Farbe mitgebracht, die sie immer mal wieder in den harmonisch wie rhythmisch komplexen Satz wirft. Minjoli fasziniert mit Gelenkigkeit in allen Registern, ihren feinsinnigen und zugleich temperamentvollen Improvisationen – und nicht zuletzt als Frontfrau mit klarer Ansprache und souveräner Ausstrahlung.

Mit dem Trio Indigo hat sie das Ray-Charles-Programm im Sommer 2017 in Herne aufgenommen, seitdem tourt diese Besetzung mit dieser besonderen Sicht auf die Musik der Ikone mit der schwarzen Sonnenbrille durch die Lande. Vor allem Pianist Martin Scholz vergräbt sich mit großem perkussivem Impetus in die Tasten des Klaviers, seine Finger wollen sich schier verknoten in dem Gewusel, in das er die Harmoniefolgen verstrickt. Bei so viel Drive von den Tasten muss André Spajic sehr sensibel begleiten. Mit den Besen ist er besonders gut, bei „Georgia“ etwa, oder wenn er mal ein paar Runden ganz allein gelassen wird.

Michael Kehraus am Kontrabass, ein ungemein sicherer, genau timender Mann am Tieftöner, hat auch ein paar prägnante Solo-Passagen abbekommen in diesem prall mit Hits gefüllten Set, er kann wie selbstverständlich mit ein paar sparsamen Akkorden wunderbare Stimmungen herstellen. Alle drei Instrumentalisten kennen sich bestens. Da wackelt nichts in dem Bestreben, sich und die famose Sängerin in Szene zu setzen. Und die Musik Ray Charles‘ natürlich, dessen „Swanee River Rock“ oder „I Got a Good Man“ auch in dieser behutsam vom Soul in die Gefilde des Jazz transformierten Fassung immer wieder begeistern.

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