Mönchengladbach : Mit Bach hat alles angefangen

Mit dem „Blind Date Jazz Quartett“ verbrachten die vielen Jazzliebhaber in der ausverkauften Theaterbar einen Abend mit exzellenten Musikern. Sie spielten einen Querschnitt durch die Geschichte des Jazz.

Die Idee war, in lockerer Atmosphäre, schönem Ambiente und mit einem leckeren Getränk entspannt einen Abend lang gute Jazz-Musik zu hören. Das bewog den Schlagzeuger André Spajic, eine Jazzreihe ins Leben zu rufen: „Jazz@Theaterbar“, die vom Kulturbüro unterstützt wird. Beim vierten Konzert der Reihe präsentierten sich vier talentierte Jazz-Musiker aus Köln, Bonn und Mönchengladbach mit einem Querschnitt durch die Jazzgeschichte, der wichtigen Eckpunkten und berühmte Kompositionen wichtiger Jazz-Koryphäen einbezog.

„Hintergrund ist der Gedanke, ,The History of Jazz’ auf Zuruf zu spielen“, erklärte André Spajic. Das Konzept wurde bei einem Jazz-Festival in Brüggen, das er vor einigen Jahren organisiert hatte, schon einmal realisiert. Die Musiker trafen sich, ohne vorher gemeinsam zu proben, lediglich mit Absprachen zu den Titeln. „Deshalb haben wir es ,Blind Date Jazz Quartett’ genannt“, erklärte der Schlagzeuger. Die Musiker Marcus Schinkel am Piano, Stefan Berger am Kontrabass, Max Schulze-Hennings am Saxophon und André Spajic am Schlagzeug interpretierten mit ihren Instrumenten die Stücke – ganz sicher hätte niemand im Raum vermutet, dass sie vor Jahren zuletzt zusammen gespielt haben.

Gestartet wurde bei Bach, der durch seine Akkordfolgen die Harmonielehre für den Jazz geebnet hat. „Vater Bach ist der Ursprung der europäischen Musik. Interessant ist, dass damals die Söhne von Johann Sebastian viel bekannter waren, als er selbst. Erst später erkannte man das Genie des Vaters. Dieser konnte ungeheuer gut improvisieren, deshalb war er im Herzen ein Jazzer“, so eröffnete Marcus Schinkel mit seiner Moderation den Musikabend.

Nach den europäischen Wurzeln, wandten sich die Musiker dem afrikanischen Stil zu. Der Ursprungsort des Jazz war New Orleans, eine Wurzel der Blues, so durfte „Basin Street Blues“ auf keine Fall fehlen. Von den schummerigen Bars von New Orleans ging es in der Geschichte weiter in die Zeit der Swing-Musik. Zunächst als unanständig abgestempelt, wurde sie nach und nach populär. Das Stück „Take the a train“ von Duke Ellington, der in der Zeit der Rassentrennung die besten Musiker um sich scharte – egal mit welcher Hautfarbe – war die nächste musikalische Station.

Der Pianist Marcus Schinkel führte sehr unterhaltsam durch die Zeit des Jazz und erzählte humorvolle Geschichten, etwa von den Jam Sessions in New York, vom „Old time Jazz“, der mit vier bis fünf Akkorden auskam und vom komplizierteren aufkeimenden Bebop Jazz, was er mit dem Stück „all the things you are“ verdeutlichte. „Den Freestyle-Jazz ersparen wir Ihnen“, sagte Schinkel. Aber den Jazz-Rock mit „Cantaloupe Island“ streiften die Musiker zur Freude der Zuhörer.

„Sie sind Zeuge eines exklusiven Konzertes – morgen könnte es wieder ganz anders klingen“, beschrieb Schinkel die bunten Variantionsmöglichkeiten des Jazz. „Die Musiker können in den einzelnen Sequenzen ihre Improvisationsmöglichkeiten zeigen. Der Bassist hält die Band zusammen, er ist sozusagen das Fundament des Hauses“, sagte er und hob das Spiel des Saxophonisten Max Henning Schulze hervor, welcher noch zu den Vertretern des alten Stils gehört. Er begeisterte mit dem sogenannten „Growling“, wobei der Klang des gespielten Tons verfremdet wird und ein charakteristischer Saxophon-Sound entsteht.

Mit karibischer Atmosphäre und der perfekten Einstimmung auf den Sommer mit „St. Thomas“ von Sonny Rollins beendeten die Musiker das Konzert.

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