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Mönchengladbach: Jahresgaben im Museum Abteiberg

Kunstwerke zum Verkauf im Museum Abteiberg : Jahresgaben schwarz auf weiß

Der Museumsverein zeigt eine feine Auswahl seiner Künstler-Multiples im Kabinett des Abteibergmuseums: Trouvaillen, übersetzt Fundstücke, sind noch verfügbare Jahresgaben von rund 20 Künstlern.

Ins Depot des Museumsvereins im Museum Abteiberg kommt normalerweise keiner rein. Der recht kleine trapezförmig geschnittene Funktionsraum mit zwei Regal-Wänden hat eine sehr unbetonte Tür auf der Gartenebene des Hollein-Baus und beherbergt neben Aktenordnern den künstlerischen Schatz des zeitgleich mit dem Museumsneubau 1972 gegründeten Fördervereins – die Jahresgaben.

Künstler, die dem Haus (meist in Ausstellungen) verbunden sind oder waren, haben dem Förderverein Auflagenobjekte überlassen, die dieser zu vergleichsweise kleinem Geld seinen Mitgliedern anbietet. Skulptur, Malerei, Fotografie. Beuys bis Gregor Schneider, Meese, Polke, McBride. In früheren Zeiten kamen jedes Jahr neue Arbeiten hinzu, die die Attraktion der Jahresausstellungen in der Vorweihnachtszeit waren. Viele waren sofort vergriffen, von anderen Multiples sind noch einige im Bestand.

Und in Corona-Zeiten, in denen ausstellende Künstler eher per Zoom als physisch an Ausstellungen beteiligt sind, kommen keine neuen Jahresgaben hinzu. Das stellt MV-Geschäftsführer Christian Krausch bedauernd fest und macht aus der Not eine Tugend: Er geht ins Depot, sucht und findet. Diese „Trouvaillen“ sind nun an altbewährter Stelle im Museum ab sofort und bis auf weiteres neu zu entdecken und zu erwerben: „Über die Jahrzehnte sind wir da wirklich stabil in den Preisen geblieben“, sagt Krausch.

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Was ein echter Kurator ist – und Krausch lässt sich da nicht lange bitten –, der spinnt durch seine Ausstellung einen Roten Faden. Der ist diesmal schwarz und weiß, allenfalls mal grau und silbern. Denn mit diesen Nicht-Farben haben etliche der Künstlerinnen und Künstler gearbeitet. So fungieren Hans-Peter Webels abgerundete Stuck-Winkel – Unikate von 1995 – als Wegweiser in den Kabinett-Raum, in dem mehr als 20 Arbeiten versammelt sind.

Rita McBrides „Civic Sculpture in memoriam“ (zu zu deutsch „Gedenken an die öffentliche Skulptur“) etwa, ein gefalteter schwarzer Karton auf Marmorsockel, der an ein komplexes Vorhaben der amerikanischen Bildhauerin erinnert. 2007 initiierte sie für das „Museum X“, also den Interimsraum des Museum Abteiberg, das in dem Jahr grundsaniert wurde, eine öffentliche Gedenkveranstaltung auf dem Vorplatz.

Neben einer Ansprache, Kranzniederlegung, Kaffee und Streuselkuchen in niederrheinischer Tradition gab es auch eine Einladungskarte, die in Zusammenarbeit mit dem belgischen Künstler Willem Oorebeek entstanden ist. Charakteristisch für seine Arbeit ist das schwarze Überdrucken, auch die Einladungskarte wurde von ihm auf beiden Seiten geschwärzt. Sowohl der Text mit Trauerrand als auch das „Meer“ der Trauerblumen, ein von Natalie Czech zur Verfügung gestelltes Motiv, wurden dadurch übertönt.

Zu den besonderen Fundstücken gehören auch die „Freie Figuration“ von Ulrich Rückriem, die der berühmte Bildhauer 2019 in 77 verschiedenen Unikaten für den Museumsverein zeichnete, die ins grelle Hochformat gestauchten Architekturfotos von Diango Hernández, ein Kartonschnitt von Erwin Heerich, die verrückte Karton-Plastik von Jürgen Albrecht.

Ebenso werden die beiden Schwarz-Weiß-Fotos ohne Titel von Peter Campus von 1988-90, oder der Kupfertiefdruck „viertausendvierhundertachtundsiebzig“ von Simon Beer aus dem Jahr 1999 präsentiert. Neben Jens Ullrichs Print „Vase“ und Hans Holleins „Podest für die unsichtbare Plastik von Joseph Beuys“ ist auch eine Auswahl der 12 Fotografien „Défense d’entrer, Dinard“ von Benjamin Katz zu sehen.

Auch die Pigment-Prints „BPVL“ von Anne Pöhlmann, die sich auf eine überstrichene Wandarbeit von Blinky Palermo in den ehemaligen Büroräumen der Firma Van Laack beziehen, sowie die lange nicht gezeigte Mappe „Zukunftskrieg“ von Horst Münch werden Kunstliebhabern neben vielen weiteren Drucken und Objekten im Jahresgabenraum zum Kauf angeboten. Und, und, und. Alles ist spannend und attraktiv gehängt und gestellt.

 Info Die Arbeiten kosten bürgernah zwischen 100 und 1200 Euro, sind aber auch einfach und gewinnbringend bloß anzuschauen: Im Abteibergmuseum und auch im Netz unter www.mv-mg.de.