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Mönchengladbach: Interview mit Kabettist Stefan Verhasselt über Humor und sein Programm

Interview mit Stefan Verhasselt : Kabarett sollte immer faktensicher und humorvoll sein

Vom Radio auf die Kabarettbühnen: Stefan Verhasselt über Neigungen der Deutschen, englischen und französischen Humor und das gesellschaftskritische Kabarett.

Am kommenden Wochenende tritt der niederrheinische Kabarettist Stefan Verhasselt, 56 Jahre alt, mit seinem Programm „Kabarett 5.0. – Zwischen den Zeilen“ im Theater im Gründungshaus auf.

Was meinen Sie mit dem Zusatz „Zwischen den Zeilen“?

Verhasselt Hömma, wir reden doch immer weniger Klartext und diplomatisieren uns gerne von einer Geschichte zur nächsten. Alle paar Minuten sagt jemand „Das ist für mich eine Herausforderung“ und meint mit doch damit nichts anderes als „Jetzt muss ich den ganzen Mist allein machen!“. Dat is quasi der neue kleine tägliche Selbstbetrug. Wir Deutschen haben ja auch den Hang, mit vielem, was wir tun, et en bisken zu übertreiben. Wenn wir etwas anfangen, dann führen wir das auch sehr gründlich durch, gucken bis unter den letzten Stein – egal ob es um Gendersprache oder E-Autos geht. Beispiele dazu habe ich im aktuellen Programm.

Sehen Sie sich mehr als Radiomoderator oder als Kabarettist?

Verhasselt Jede Moderation ist ja auch ein kleiner Auftritt, hat mal ein kluger Mensch zu mir gesagt. Wenn ich meine Moderationen für die Sendung schreibe, ist das ähnlich zu dem, wie ich ein Kabarettprogramm schreibe. Der Unterschied auf der Bühne vor Publikum ist, dass ich die Reaktionen der Zuhörer, ihre Zwischenbemerkungen, sofort einbaue und darauf reagieren kann.

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Was bedeutet Kabarett für Sie?

Verhasselt Kabarett ist für mich immer auch gesellschaftskritisch. Kabarett sollte faktensicher und humorvoll sein. Und nicht unter die Gürtellinie gehen. Das Publikum ist auch durch das Begreifen der Pointe mittendrin und dabei. Ich erlebe es immer wieder, dass ich einen Satz gar nicht zu Ende sprechen muss, weil das Publikum den Clou schon gecheckt hat. Das freut mich immer sehr. In meinem Kabarettprogramm schaue ich mit meinem niederrheinischen Blick auf die Gesellschaft und übe mich in positiver Selbstbespiegelung. Leben und leben lassen, das ist ein Grundsatz, der in der DNA des Niederrheins verwurzelt ist. In den 15 Jahren, die ich als Kabarettist tätig bin, habe ich den Schwerpunkt in meinen Programmen immer stärker auf unsere Gesellschaft gelegt. Um Themen zu finden, muss ich übrigens nur mal einkaufen gehen und dabei hinsehen und hinhören. Und das macht das Programm „nachhaltig“, auch wieder so ein Wort.

Was ist Humor und welche Art mögen Sie am liebsten?

Verhasselt Der richtige Humor ist für mich der Herzenshumor, der beim Menschen ein Glücksgefühl erzeugt. Im internationalen Vergleich gefällt mir der französische Humor am besten, schauen Sie sich nur Filme wie „Ziemlich beste Freunde“ oder „Die Töchter des Monsieur Claude“ an: Das ist tiefgründig, gesellschaftskritisch, das ist intelligent, locker und entspannt. Der englische Humor ist auch immer gut, das ist so ein Understatementhumor. Ich finde, wer über sich selbst lachen kann, ist immer auf der richtigen Seite.

Tickets für Stefan Verhasselts Show im Theater im Gründungshaus am Freitag, 1. Oktober, 20 Uhr, gibt es unter westticket.de