Mönchengladbach: Hörabend mit RP-Musikredakteur

Hörabend: Mit Wolfram Goertz um die Welt

Dieses Mal musste der RP-Musikredakteur keinen Parkplatz suchen. Seine Veranstaltung „Betreutes Hören“ fand zum ersten Mal in der evangelischen Kirche in Windberg statt. Ein Heimspiel für Goertz, der in diesem Stadtteil wohnt.

Sie werden lachen und den Tränen nahe sein, Sie werden nachdenklich und melancholisch sein, Sie werden das Bedürfnis verspüren zu singen und zu tanzen – aber eines werden Sie zu keinem Moment sein: gelangweilt oder gleichgültig. „In 80 Minuten um die Welt“ nennt Wolfram Goertz seinen Hörabend, den er am Montag in der gut besetzten Evangelischen Kirche Mönchengladbach-Großheide anbot.

Es sind am Ende des Abends einige Minuten mehr als 80, aber immerhin geht die musikalische Weltreise auch von Düsseldorf über Italien, Tschechien, Finnland, China, Java, Japan, Tahiti, USA, Argentinien, Spanien, Marokko und Frankreich zurück nach Düsseldorf.

Wolfram Goertz’ „Betreutes Hören“ fand zum ersten Mal in der evangelischen Kirche statt. Ein Heimspiel für den Windberger Musikkritiker, der endlich einmal „keinen Parkplatz suchen musste“ , als er sich zu seiner Veranstaltung aufmachte. Und der Genuss, als Katholik eine evangelische Kanzel zu betreten, ist nach seinen Worten auch nicht zu verachten.

Wie man von Vivaldi über Karel Gott zu Luciano Pavarotti kommt? Ziemlich einfach. Man macht sich auf den Weg. Goertz spinnt seinen Abend um die Geschichte eines Paares, das nach Venedig reist, dort Vivaldi hört und spontan beschließt, weiterzureisen. Und von einem Ausschnitt aus Vivaldis Violinkonzert E-Dur für Anna-Maria ist nur ein winziger Schritt zu „Nessun dorma“ gesungen von Pavarotti. Er führt über die einen kleinen Dialog des Paares über die Stimmlage von Karel Gott (In der Kirche erschallt „Einmal um die ganze Welt“) zum „Ritter des hohen H“, also Pavarotti. Dazwischen liegt noch ein kleiner Ausflug nach Helsinki und dem machtvollen 3. Satz der 6. Symphonie von Sibelius.

Und so geht es weiter: bei Wolfram Goertz folgen die wunderbaren Beach Boys mit „Good Vibrations“ direkt auf Felix Mendelssohn Bartholdys „Denn er hat seinen Engeln befohlen“. Und das Erstaunlichste: keinen erstaunt dieser Sprung.

  • Mönchengladbach : Hörabend: Musik als Balsam für die Seele

Mit Leichtigkeit, Witz, Spontaneität und großem Fachwissen, das er den Zuhörer aber eben nicht von oben herab mitteilt, sondern spielerisch und anschaulich verpackt, führt Wolfram Goertz die Gäste in die Welt der Musik – die Hörbeispiele vertiefen und verschönern die gegebenen Informationen.

Goertz kann in drei Minuten ganze Operngeschichten erzählen, von denen die meisten „völlig bescheuert“ sind, er gräbt die einzige Oper Leonard Bernsteins aus, berichtet darüber, wie lange und kostenintensiv die Beach Boys an „Good Vibrations“ komponiert haben („der Schluss ist etwas deprimierend“), verweist darauf, dass ein Krefelder, nämlich Heinrich Band, das wichtigste Tango-Instrument erfand, gibt einen Restauranttip, „Le Zimmer“ in Paris und landet am Ende bei Reinhard Meys „Über den Wolken“.

Der Eintritt zu den Hörabenden ist frei, doch wirbt Goertz, der auch Medizin studierte, um Spenden, die an die Förderung der von ihm koordinierten Interdisziplinären Ambulanz für Musikermedizin am Universitätsklinikum Düsseldorf gehen werden.

Und ein neues Programm ist bereits vorgesehen: „Sonne, Mond und Sterne“ wird der Hörabend im Juni 2019 heißen. Aber am heutigen Mittwochabend um 19.30 Uhr findet zunächst der Hörabend „In 80 Minuten um die Welt“ an der Severingstraße 2-4 ein zweites Mal statt.

Hingehen! Vorher per email Bescheid geben an dr._karl-heinz.bassy@ekir.de.

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