Mönchengladbach: Gelungener Start ins Beethoven-Jahr in der Hauptkirche Rheydt

Konzert in der evangelischen Hauptkirche Rheydt : Gelungener Start ins Beethoven-Jahr

Beim Konzert in der Hauptkirche warteten Orchester, Chor und Solisten unter der Leitung von Udo Witt mit Bestleistungen auf.

Das kommende Beethoven-Jahr warf in der Evangelischen Hauptkirche seine Schatten voraus. Das traditionelle Konzert zum Advent-Auftakt war ganz Beethoven gewidmet. Und erfreulicherweise fand etwas statt, was vermutlich im kommenden Jahr alles andere als selbstverständlich sein wird: Es wurden zwei Werke aufgeführt, denen man live nur selten bis gar nicht begegnet, der Messe op. 86 und der Chorfantasie op. 80.

Die C-Dur-Messe ist ein interessantes Werk. Die Frage, warum man sie nicht häufiger hört, ist leicht zu beantworten. Für einen Einsatz im Rahmen eines Gottesdienstes ist sie mit einer Aufführungsdauer von rund 45 Minuten zu lang - und mit voller Bläserbesetzung wohl auch zu teuer. Und für ein öffentliches Chorkonzert greift man dann in der Regel lieber auf ein ausgewachsenes Oratorium zurück.

Das Werk steckt voller melodischer Einfälle und interessanter Verarbeitung. Und die Aufführung war ohne Zweifel hörenswert. Mit Bestleistungen warteten alle Beteiligten auf. Tadellos, mit guten, durchsetzungsfähigen Stimmen und ausgewogen in der Lautstärke war das Solistenquartett besetzt mit Annabelle Heinen (Sopran), Elvira Bill (Alt), Alexander Tremmel (Tenor) und Thomas Peter (Bass). Der große Chor, die Kantorei der Evangelischen Hauptkirche Rheydt, präsentierte sich in Bestform, genauso wie das Orchester der Hauptkirchenkonzerte (Konzertmeisterin: Johanna Brinkmann). Udo Witt war der gewohnt sichere Leiter, der alles sorgfältig einstudiert hatte und stets auf dem Posten war, wenn mögliche Klippen in Sicht waren.

Mit dem gleichen Elan und erneut erfreulich guter Qualität ging es an die Chorfantasie. Bemerkenswert gut wurde das Solistenquartett durch die beiden Chorsolisten Fiona Lang und Jacob Schürhoff-Goeters zum Sextett erweitert. Die Komposition ist seltsam aufgebaut. Zuerst heißt es Klavier Solo, dann Klavier plus Orchester und schließlich große Kantate. Das Werk zu hören, ohne dabei an den Schlusssatz der neunten Sinfonie zu denken, ist kaum möglich. Das gilt gleichermaßen für das Prinzip, den Chor als Steigerung und Höhepunkt der musikalischen Entwicklung einzusetzen wie für den Charakter der Musik.

Die ausgezeichnete Klaviersolistin Frederike Möller ist in der Hauptkirche keine Unbekannte. Die Doktorin der Musikwissenschaft war im Sommer mit einem Abend über Clara und Robert Schumann zu Gast. Daran konnte sie mit ihrer Zugabe indirekt anknüpfen: mit einer lebendigen, nicht sentimental verschleppten Wiedergabe der Träumerei von Robert Schumann.

Alle Mitwirkenden durften sich über den langen, begeisterten Beifall der zahlreich erschienenen Zuhörer freuen.