Mönchengladbach: Geiger Iskandor Widjaja eröffnet neuen Geneickener Bahnhof

Premiere im Geneickener Bahnhof : Virtuoses Crossover zum Start des „Kunstsignals“

Geiger Widjaja eröffnete grandios das Premierenwochenende im zum Kunstort umgewandelten Geneickener Bahnhof.

Johann Sebastian Bach sei sein „ewiger Lehrmeister“, betonte Iskandar Widjaja. Mit Werken des einstigen Thomaskantors eröffnete und beendete der 33 Jahre alte Geiger sein Programm im zum Kunstort umgewandelten Geneickener Bahnhof.   Zwischen den Eckpunkten zelebrierte der Gast aus Berlin im virtuosen Spiel die Lust, gängige Grenzen zu überschreiten. Damit war er als Solist und in der Trioformation mit Friedrich Wengler (Piano) und Paul Kleber (Bass) die Idealbesetzung zum Auftakt des geplanten, genreübergreifenden Kulturbetriebs nach dem Konzept „Kunstsignal“. An den Längswänden gaben Bilder des russischen Non-Konformisten Anatoly Zverev den passenden Rahmen zum Motto „Art meets Music“.

„Drei Jahre lang habe ich gehofft, mit mir gerungen und war auch manchmal verzweifelt. Doch immer habe ich fest daran geglaubt, dass wir es schaffen“, sagte zur Begrüßung Ralf Hoppen, Vorsitzender des Fördervereins Kunstbahnhof Geneicken. Der Schweizer Investor Georges Burki, ohne den die Umwandlung des Bahnhofs undenkbar gewesen wäre, betonte, er habe sich in das historisch ästhetische Objekt mit viel Charme verliebt. Burki versprach ein kulturelles Programm, das internationalen Ansprüchen genügen werde. Die Beteiligung an der Konzertreihe „Best of NRW“ mit hochbegabten Nachwuchsmusikern stehe dabei beispielhaft für die Jugendförderung. Der Unternehmer und Künstler mit Violin-Solistendiplom hob hervor, dass er sich für den laufenden Betrieb des Kunstorts lokale Sponsoren wünsche. Die ersten sind bereits gefunden, wie der Dank von Katrin Hoppen zeigte.

Die Aufbruch-Stimmung mit neuem Konzept spiegelte sich während des Konzerts in vier Werken, die so zuvor noch nie zu hören waren. Zu David Langs „Light Moving“ verriet Widjaja: „Es ist für mich das technisch anspruchsvollste Stück, da es so ,ungeigerisch’ geschrieben ist“. Eine italienische Barocksonate variierte das Trio mit musikalischen Überraschungen in furiosen Steigerungen. Das neobarocke Stück eines Romantikers wandelte das Trio ab mit „Barock-Pop“.  Zunächst war die Werkfolge derart angelegt, dass das Spiel von Stück zu Stück furioser, wilder und virtuoser wurde. Doch zu Arvo Pärts „Spiegel im Spiegel“ wählten die Musiker im betonten Umbruch eine versonnen behutsame Interpretation. Faszinierend in der wechselhaft leuchtenden Ausstrahlung voller Feuer und Witz war das Musizieren zu Stücken, die Widjaja „selbst rausgehauen“ hat, da er nicht nur Interpret sein will. Nach dem frenetischen Schlussapplaus verabschiedete sich Widjaja in einer Jam-Session mit Burki. Der will bald erneut als Musiker zurückkehren, denn die Musik behauptet mit steigender Tendenz ihren Platz in Burkis ungewöhnlichem Lebenslauf.

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