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Mönchengladbach: Führung im Bunker auf dem Weg von Bebe Meilenstein

Kurzkritik zu Kunstbunker Güdderath in Mönchengladbach : Formen und Klänge im Bunker

Das Künstlerpaar Bernhard Petz und Zdzislawa Worozanska-Sacher führte Gäste durch den Kunstbunker Güdderath. Auch der Künstler Hardin Plischki war anwesend.

„Bunkerführung Spezial“: Das hört sich spannend an, und knapp 20 Kunstfreunde wollten sich diese Führung am Samstagabend nicht entgehen lassen. Wer wäre dafür besser geeignet als das auf dem Bunker lebende Künstlerpaar Zdzislawa Worozanska-Sacher und Bernhard Petz?

Bernhard Petz  ist Tubist. Wenn er als Bildender Künstler in Erscheinung tritt, nennt er sich Bebe Meilenstein. Als Meilenstein kam er zunächst auf den Schneemann vor dem Bunker zu sprechen. Er solle auf die Erderwärmung aufmerksam machen. Hinter diesem Projekt steckt die Idee der CO2-Währung, die für ein besseres Klima sorgen soll und die der 47-Jährige kurz vorstellte. Die Besucher erfuhren, dass der Bunker nie fertiggestellt worden sei, dass die Wände zwei Meter breit sind.

2012 kauften die beiden Künstler die ungewöhnliche Immobilie. Zdzislawa Worozanska-Sacher zeigte ihre Krawatten-Skulpturen mit der Form von menschlichen Körpern, die für sich wirken oder Teil kleiner Installationen sind. Am Wochenende ging die Ausstellung „Exzentrische Bahn“, eine Retrospektive des 83 Jahre alten Künstlers Hardin Plischki, zu Ende. Die Besucher der Führung hatten die Gelegenheit, mit dem Künstler und seiner Frau zu sprechen.

Hardin, der Freie Malerei in Berlin studiert hatte, arbeitet weitgehend ungegenständlich: Die Titel, die er seinen Bildern gibt, sind unverbindliche Einstiegshilfen für eine individuelle Interpretation. Zur Malerei kommen auf vielen Bildern zeichnerische Elemente. Und aus der Vielfalt der Formen schälen sich bei genauem Hinsehen häufig Köpfe heraus. Einen Kontrast dazu bilden die Gemälde mit den streng geometrischen Formen.

Als Bebe Meilenstein zeigte Bernhard Petz Skulpturen aus verschiedenen Materialien mit organischen Formen in unübersehbarer Anlehnung an den menschlichen Körper. Als Bebe Meilenstein schuf er einen Kreuzweg, der bis in die Gegenwart reicht. Er besteht aus relativ einfachen Formen aus Beton und Stahl. An Beton fasziniert den Künstler die extreme Formbarkeit, Stahl assoziiert er mit Waffen.

Zur Einfachheit der Kreuzweg-Darstellungen kamen die sehr differenzierten Klänge von „mit den Augen seiner Mutter“: Die Tuba war das einzige Instrument, das live ertönte, die zum Teil sehr sphärischen Klänge, die mitunter bedrohlich anschwollen, hatte der Künstler selbst zusammengestellt. Er schuf so die Illusion eines ganzen Orchesters, nur mit den Klängen eines einzigen Instruments.