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Mönchengladbach: Frank Füser, Leiter VHS und Musikschule, in Ruhestand

Leiter von VHS und Musikschule : Ein Stratege geht in den Ruhestand

Seine Streitkultur und seine Zielstrebigkeit werden manchem fehlen: Frank Füser, Fachbereichsleiter für Weiterbildung und Musik, beendet sein Berufsleben. Er wird sich als Saxofonist weiterhin in der Gladbacher Musikszene tummeln.

Zum Interview kommt Frank Füser pünktlich, aber etwas angesäuert. Er war gerade beim Augenarzt. Dort hatte er beim Anmelden abgesprochen, er habe eine Stunde Zeit. Nach 75 Minuten im Wartezimmer ist er gegangen und hat gesagt: „Ich suche mir einen Arzt, der seine Praxis besser organisiert.“

So hat Frank Füser sein Leben lang gehandelt. Der Fachbereichsleiter Weiterbildung und Musik der Stadt Mönchengladbach ist klar, strukturiert und konsequent. Ende September wird der 65-Jährige in den Ruhestand gehen. Sein Nachfolger wird Robert Metzen, bisher Controller im Dezernat für Bildung, Kultur und Sport.

Frank Füsers Vater war Buchhalter. Sein Traum wäre gewesen, Opernsänger zu werden. Beide Seiten hat auch sein Sohn in sich. Mit 16 Jahren war er Jungstudent im Fach Klavier an der Musikhochschule Köln-Wuppertal. Nach dem Musikpädagogik-Studium kam er zur Musikschule Haan und zeigte dort großes Organisationstalent. Bereits mit 28 Jahren wurde er Schulleiter, danach Chef der Kreismusikschule Mayen-Koblenz.

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Als Frank Füser 1995 die Leitung der Musikschule in Mönchengladbach übernahm, hatte er den Auftrag, eine Million D-Mark zu sparen. Das hat er ohne Substanzverluste geschafft. Seine Strategie: höhere Einnahmen durch mehr Schüler, ohne dass mehr Lehrer angestellt wurden. Das erste, was Kulturdezernent Gert Fischer zu Frank Füser einfällt: „Er denkt extrem strategisch und weiß genau, wie man das Spiel mit der Verwaltung spielt.“ Man müsse immer von den langfristigen Zielen her denken, sagt Frank Füser. Und die Interessen des Gegenübers bedienen, um auch die eigenen durchzusetzen.

Wie ein typischer Chef sieht Frank Füser nicht aus. Er trägt gerne Jeans, ein Hemd und Lederjacke. Nur seine schicken Schuhe fallen auf. Und seine aufrechte Haltung und der zackige Gang. 2005 wurde er Fachbereichsleiter für Weiterbildung und Musik und hatte seitdem Volkshochschule und Musikschule unter sich. Bei der Volkshochschule führte Füser ein, dass die Kurse ihre Kosten zu 120 Prozent decken. „In puncto Wirtschaftlichkeit bietet die VHS großes Kino“, so Fischer. Sie ist heute technisch bestens ausgestattet und bekannt für ihr innovatives Programm.

Die Musikschule steht ebenfalls finanziell und konzeptionell auf kerngesunden Beinen. Füser hat trotz Sparzwängen immer durchgesetzt, dass dort alle Lehrer fest angestellt werden. Das macht die Schule für hochqualifizierte Pädagogen reizvoll. „Und was Leistung angeht, ist die Musikschule heute womöglich die beste in ganz Nordrhein-Westfalen“, so Fischer. „Hinter diesen Erfolgen stehen allerdings auch die Institutsleiter. Zu Füsers Stärken gehört, dass er ihnen für die kreative Arbeit immer den Rücken freigehalten hat.“

„Wir waren sicher nicht immer einer Meinung, aber Streit gab es zwischen uns nie“, sagt VHS-Direktor Thomas Erler, ein ähnlich analytischer Typ wie Frank Füser. Zwischen Musikschulleiter Christian Malescov und Füser hingegen konnte es durchaus knallen, weil zwei starke Persönlichkeiten mit unterschiedlichen Temperamenten und Arbeitsweisen aufeinanderprallten. „Aber letzten Endes ist aus der Reibung zwischen uns enorm viel produktive Energie entstanden“, sagt Frank Füser.

Er liebt den Diskurs und eine „Streitkultur“. Für Dinge, von denen er zutiefst überzeugt ist, kämpft er. Voller Engagement spricht er etwa darüber, wie die Volkshochschule Jugendlichen helfen muss, einen Schulabschluss zu schaffen.Frank Füser arbeitet übrigens auch ehrenamtlich als Schöffe beim Jugendgericht.

Jeden Montagnachmittag gab er nach wie vor Klavierunterricht. Am meisten Freude machte ihm aber die Arbeit mit kleinen Kindern. An der Musikschule hat er die Früherziehung systematisch ausgebaut und hatte selbst immer einen Kurs mit Kindern im Vorschulalter. „Herr Füsi“ nannten ihn seine Schüler liebevoll.

Auch seinen Ruhestand hat er strategisch geplant: Seit zehn Jahren lernt Füser Saxofon spielen. Schon bald hat er die Big Band der Volkshochschule gegründet. In dieser Band wird er auch demnächst Saxofon spielen – und weiter im Hintergrund die Strippen ziehen.

Das gilt auch für den Mönchengladbacher Jazz Club, den er vor zwei Jahren ins Leben gerufen hat. Unterricht geben wird er auch weiterhin. Außerdem hat er einen Bootsführerschein gemacht.

Anfang Oktober wird er zusammen mit seiner Frau über die Havel tuckern – einmal mehr als Schiffskapitän.