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Mönchengladbach: Finissage per Video, Brief und Telefon

Museum Abteiberg in Mönchengladbach : Finissage über Video, Brief und Telefon

Wie Not erfinderisch macht und sich neue, manchmal aber auch altbewährte Möglichkeiten der Kommunikation auftun – das zeigte die Finissage von drei Ausstellungen im Museum Abteiberg in Mönchengladbach.

„Letzter Tag“ hieß es am Sonntag gleich für drei Ausstellungen: „grief and hope“ von Andrea Bowers und „Kunst Natur Politik“ von Hans Haacke endeten ebenso wie die Abschlussausstellung der Atelierstipendiatin Evelyn Taocheng Wang. Über Monate hatte Museumsleiterin Susanne Titz mit ihrem Team ein ausgefeiltes Programm für diesen Tag geplant. Und es in den jüngsten zwei Wochen mehrfach umgeschrieben.

Die steigende Zahl von Corona-Infizierten weltweit verbot es den eingeladenen Gästen Lukas Beckmann, Mitbegründer der Partei Die Grünen, Philip Ursprung, Professor für Kunst- und Architekturgeschichte in Zürich, sowie den Künstlern Andrea Bowers aus Los Angeles und Hans Haacke, der in New York lebt, nach Mönchengladbach zu reisen.

Auf ein vielschichtiges Abschlussprogramm mussten die gut 20 Gäste der Finissage dennoch nicht verzichten. Susanne Titz, Kuratorin Felicia Knappe und der Mönchengladbacher Peter Brollik von den Grünen waren als Diskussionspartner anwesend. Außerdem verfolgten die Gäste über Video ein über Interview zwischen Hans Haacke und der Kuratorin seiner Ausstellung, Ursula Ströbele, sowie einen Film von und mit Andrea Bowers, den sie in der Nacht zu Sonntag an das Museum geschickt hatte. Ursula Ströbele beantwortete per Telefon Nachfragen. Philip Ursprung, der in diesem Jahr ein Buch über Joseph Beuys geschrieben hat, hatte sich auf das traditionelle Briefeschreiben verlegt: Jeder Besucher erhielt ein Schreiben von ihm an die Hand.

Andrea Bowers sah man in ihrem Atelier in Los Angeles, wo sie sich auf eine große Retrospektive in Los Angeles und Chicago zu Beginn des nächsten Jahres vorbereitet und zugleich ihre Ausstellung in Mönchengladbach reflektiert. Bowers präsentierte im Museum Abteiberg Werke, in denen sie sich mit Umweltaktivismus, Ökofeminismus und Klimagerechtigkeit auseinander setzt. In ihrem Film erwähnte sie etwa ihre Beschäftigung mit Joseph Beuys und Petra Kelly und zeigte auf, wie diese schon in den 1980er-Jahren um genau diese Themen kämpfte.

In der Friedensbewegung dieser Zeit ist Brollik zuhause. Er verglich die außerparlamentarische Fridays for Future-Bewegung mit den schon früh in den direkten politischen Prozess eingreifenden Bewegungen der 1980er-Jahre.

Hans Haacke gab im Gespräch Hintergrundinformationen zu einigen seiner Arbeiten, die auf beklemmende Weise mit denen von Bowers korrelieren. Nur dass Haacke schon 50 Jahre früher Umwelt und Politik künstlerisch bearbeitete. „Die Vergangenheit ist nicht vergangen“, stellte Haacke fest und fügte hinzu: „Solche Ausstellungen sind wichtig, weil sie uns rückverweisen und fragen: Was tut ihr?“

Auch Kunsthistoriker Philip Ursprung schlug in seinem Schreiben einen Bogen von Beuys zu Haacke und stellte die Unterschiede heraus: „Haacke ist ja fast ein Gegenpol zu Beuys. Während Haacke die ‚Natur‘ aus der kritischen Distanz betrachtet […] tauchte Beuys gleichsam in die ‚Natur‘ ein und wurde vorübergehend selbst zu einem Tier.“ Beuys sei es um Veränderung, Haacke um kritische Reflektion gegangen.

„Andrea Bowers und Hans Haacke haben ihre Ausstellung in Mönchengladbach nie gesehen“, sagte Susanne Titz. Bowers „grief and hope“ wurde genau an dem Tag im März geöffnet, auf den die Schließung der Museen folgte. Hans Haackes Arbeiten konnten ab 21. Juni betrachtet werden. „Wir haben die Ausstellung Andrea Bowers zu großen Teilen digital zugänglich machen können“, so Titz.

Auch die Veranstaltungsreihe „Running up that hill“ mit Filmen und Diskussionsrunden konnte stattfinden. „Mit einer überschaubaren, aber extrem interessierten Zuschauergruppe“, bilanzierte Titz. Darüber hinaus habe man im Sommer begonnen, den Skulpturengarten zu einem alternativen Veranstaltungsort zu machen. „Wir haben neue Formate entwickelt“, sagte Titz und deutete an, dass diese auch in der Zukunft Bestand haben könnten.