Mönchengladbach: Finissage der Ausstellung "Herrenlos" in der Musikschule Groove

Ausstellung : Herrenlos – vier Frauen machen Kunst

Feinste Zeichnungen, handgearbeitete Bilderrahmen und Fotos von Poppy: Morgen geht die Ausstellung in der Musikschule Groove zu Ende.

Regelmäßig macht Rebecca Donner ihre Kontrollrunde durchs Haus. Sieht nach, ob noch alles am rechten Fleck ist. Und nicht schief und krumm in der Gegend rumhängt. „Donnerstags ist es extrem“, sagt die Leiterin der Musikschule Groove an der Malmedyer Straße 30. Da hat sie alle Hände voll zu tun. Denn immer mittwochs proben die Bands. Und die sind ziemlich laut. „Danach hängt kein einziges Bild mehr gerade an der Wand.“ Sie nimmt es gelassen. „Diese Ausstellung macht uns allen so viel Freude, dafür kann man auch schon mal was tun.“

Was tun: Genau das war die Idee von Rebecca Donner und der Fotografin Myriam Topel. „Wir wollten Musik und Kunst zusammenbringen“, sagen sie. Ohne großen Aufwand und unter Hinzunahme zweier weiterer Frauen – Lisa Florack und Jaimy Fischle –, machte sich das Quartett an die Arbeit. Der Titel für ihr Projekt war schnell gefunden: Herrenlos. „Weil wir halt ausschließlich Frauen sind“, sagt Myriam Topel.

Die Rahmen für ihre Poppy-Fotos hat Jaimy Fischle hergestellt. Die Tischlerin arbeitet ausschließlich mit heimischen Hölzern, gern auch mit Holz aus alten Türrahmen oder Fußböden. Auch mit Gebrauchsspuren. In der Musikschule präsentiert sie zudem einige ihrer individuellen Möbelstücke. Die Zusammenarbeit mit Myriam Topel beseelt sie regelrecht. „Ich liebe Myriams Poppy, und wir haben einfach ziemlich viel Spaß.“

Lisa Florack kommt aus der Street-Art-Szene. Sie stellt sich mit farbenfrohen Tapes, feinsten Tuschezeichnungen und duftigen Gemälden vor. Ihre Tape-Installation, die an ein Mischpult oder eine Schaltfläche erinnert und zwei Türen und die umliegenden Wände einbezieht, scheint den Raum optisch unter Strom zu setzen. Ihre Bilder sind hingegen wunderbar ruhig. Und unfassbar gut gezeichnet und in Farbe gesetzt. Oktopusse, Quallen, Schmetterlinge, Muscheln und Vögel werden in den hauchzarten Zeichnungen lebendig. Fische tragen Häuser auf dem Rücken oder dienen als Heißluftballon. Genaues Naturstudium und sicherer Strich – nur so kann so etwas gelingen. Teilweise wirken die Zeichnungen wie Illustrationen für naturwissenschaftliche Musterbücher.

Ja, und dann ist da diese Poppy. Seit 2009 fotografiert Myriam Topel die Puppe. Die Fotografin inszeniert jede Szene regelrecht. Poppy wird entsprechend gekleidet, frisiert, sie bekommt eine Brille oder nicht, einen Hut oder nicht. Jede Pose ist exakt geplant. „Meine Poppy ist keine Barbie“, sagt Myriam Topel. Im Gegensatz zu Barbie kann Poppy tatsächlich alle Gelenke bewegen. Das ergibt unzählige Möglichkeiten, Poppy in Szene zu setzen. So sieht man sie in der Ausstellung auf Klaviertasten stehend, in der Hängematte liegend, an einen Baumstamm gelehnt, mit einem Porzellanhasen auf dem Schoß, am Wasser sitzend und und und.

Das Licht spielt natürlich eine große Rolle. Es ist maßgeblich verantwortlich für die Atmosphäre im Bild. „Da muss der Lichtstrahl sich nur um ein Mü verschieben, dann ist alles anders“, sagt Myriam Topel. Auch der Wind habe ihr schon viel Kummer gemacht. „Dann steht Poppy wie ’ne Eins, der Wind pustet ihr die Haare ins Gesicht oder schlimmer noch, schmeißt sie um, dann fange ich wieder von vorne an.“

Morgen ist die Finissage. Ab 14 Uhr gibt’s Gespräche, Häppchen und Getränke zur Kunst.

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