Mönchengladbach: Evelyn Ziegler beim Musiksommer Rheydt

Rheydter Musiksommer: Konzert mit träumerischer Grundnote

Beim jüngsten Konzert des Rheydter Musiksommers beeindruckten Sopranistin Evelyn Ziegler und Klavierbegleiter Udo Witt die Zuhörer mit einem bunten, eingängigen Programm.

Eins, merkte Udo Witt bei der Begrüßung zum vierten Sommerkonzert scherzhaft an, sei anders als gewohnt. In den vergangenen Jahren habe er sich oft gefreut, dass die zahlreichen Zuhörer „trotz des Regens“ in die Hauptkirche gekommen wären. Nachdem er sich in diesem Jahr daran zu gewöhnen begann, dass sie „trotz des Sommers“ kamen, erschienen sie am  Donnerstag „trotz beidem“.

Zu einem „spritzigen Liederabend“ hatte er Evelyn Ziegler eingeladen, die mit einem bunten, eingängigen Programm schnell die Sympathien der Zuhörer eroberte. Die Sopranistin begeisterte durch ihre hohe Gesangskultur, durch tadellose Intonation, ausdrucksvolle Melodiegestaltung und große Ausstrahlung.

Für Kurzweil sorgte die Dreiteilung des Programms in Kunstlieder, Arien aus Oper und Operette sowie Hits aus Musical und Film. Verbindendes Element zwischen den verschiedenen Genres war eine träumerische Grundnote. Auf romantische Lieder versteht sich Ziegler, dass zeigte sich gleich zu Beginn. Geschmackvoll gelang der Vortrag von Mendelssohns „Auf Flügeln des Gesanges“, genau so wie Brahms’ „Wir wanderten“ und Faurés „Après un rêve“. Beachtlich: die mühelose Höhe und der schlackenlose Registerausgleich.

Udo Witt war der gewohnte sichere Klavierbegleiter und schuf dazu noch Abwechslung durch Klavier-Solobeiträge zwischen den Blöcken. Vier Stücke aus Robert Schumanns Kinderszenen erinnerten an zurückliegende oder bevorstehende Ferienerlebnisse, so zum Beispiel „Von fremden Ländern und Menschen“, „Glückes genug“ oder – auch im Urlaub nicht zu übersehen – „Bittendes Kind“. Dass Diabelli mehr konnte, als nur junge Klavierschüler zu quälen, zeigte Witt mit einem spielerischen Rondo des österreichischen Komponisten.

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Wem die romantischen Lieder vielleicht noch zu dezent waren, kam bei italienischem Belcanto und silberner Operette so recht auf seine Kosten. Dafür sorgten „Mattinata“ – von Leoncavallo seinerzeit für Caruso geschrieben – ebenso wie Puccini mit „Quando m’en vo“ und „O mia babbino caro“ sowie Lehár mit dem „Vilja-Lied“.

Nach ihrer eigenen Aussage hat sich Evelyn Ziegler in ihrer Ausbildung ausschließlich mit dem klassischen Fach befasst. Bei ihren Film- und Musical-Beiträgen erwies sich das aber keineswegs als Nachteil. Titel wie „Somewhere“ aus Bernsteins „West-Side-Story“, „Moon River“ und „Over the Rainbow“ klangen schwerelos und nicht gepresst, wie sonst mitunter zu hören.

Der Schluss war mit Gershwins „Summertime“ passend zur Jahreszeit ausgesucht. Nach begeistertem Beifall gab es noch zwei Zugaben, „What a Wonderful World“ und, da Capo, „I could have danced all night“ aus „My Fair Lady“.

„Anders spritzig”, versprach Udo Witt, geht es am Donnerstag (16. August um 19.30 Uhr) zu. Dann begleitet er die Harfenistin Jenny Meyer auf dem zweiregistrigen Orgelpositiv.

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