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Mönchengladbach: Evelyn Taocheng Wang ist die 32. Atelierstipendiatin der Stadt

32. Stipendiatin der Stadt : Chinesische Künstlerin arbeitet im Atelierhaus

Evelyn Taocheng Wang ist die 32. Atelierstipendiatin. Sie wird sich auch mit dem Erscheinungsbild der Stadt auseinandersetzen.

Im Gastatelier an der Steinmetzstraße 31 ist zurzeit auffallend oft ein Froschmotiv zu finden. Es wird auch Evelyn Taocheng Wangs Jahresgabe für den Kunstverein Düsseldorf bestimmen. Die chinesische Künstlerin bekennt sich zum besonderen Interesse an der in Märchen thematisierten Sehnsucht nach Veränderung und kennt den „Frosch-Raum“ im Museum Abteiberg. In der chinesischen Kultur gebe es dafür keinen unmittelbar vergleichbaren Statthalter. Allenfalls die Schnecke erreiche eine inhaltliche Verwandtschaft, sagt Wang und erzählt aus dem Stegreif eine Geschichte, geprägt von der Kultur des Heimatlandes.

Wang hat viel zu sagen, und das ist unter anderem begründet in ihrer intensiven Beschäftigung mit dem Zusammenhang von autobiografischer und kulturell geprägter Identität. Sie ist die neue Atelierstipendiatin der Stadt und hat ihr Domizil in der Steinmetzstraße bezogen. Hier wird sie bis zum 21. März 2020 wohnen. Ein Blick in das Atelier zeigt: Hier geschieht eine Menge, die Künstlerin ist angekommen.

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„Für mich ist es immer wieder spannend, wer kommt, und was dann mit der Stadt geschieht“, betonte Kulturdezernent Gert Fischer bei seinem Besuch. Er betrachtet das Atelierstipendium als wichtiges Ventil, um in der Öffentlichkeit die Bedeutung der zeitgenössischen Kunst und deren Einfluss auf das öffentliche Leben sichtbar zu machen. Ohne die Josef und Hilde Wilberz-Stiftung sei das Projekt für die Stadt nicht realisierbar, so Fischer.

Henrike Robert, Volontärin der c/o-Künstlerförderung, referierte Wangs biografische Daten. Die Künstlerin wurde 1981 im chinesischen Chengdu geboren, studierte in China klassische Malerei und Literatur, setzte anschließend ihre Ausbildung an der Frankfurter Städelschule fort. Es folgte ein zweijähriges Atelierstipendium an den Amsterdamer „De Ateliers“. Aktuell beteiligt sich die Künstlerin an der Gruppenausstellung „Maskulinitäten“ im Düsseldorfer und im Kölner Kunstverein. Für das Stipendium in Mönchengladbach wurde sie von Eva Birkenstock, Leiterin des Kunstvereins für die Rheinlande und Westfalen in Düsseldorf, vorgeschlagen. Birkenstock war für Wang die erste Frau, der sie in Deutschland begegnete.

„Mich beglückt, dass diese Künstlerin von einer Kollegin aus der Nachbarstadt ausgewählt wurde. Wang ist eine Künstlerin, die nicht am Anfang steht, sondern mitten drin ist. Ich finde es toll, dass es auch für solche Künstler interessant ist, ein halbes Jahr in Mönchengladbach zu leben“, stellte Susanne Titz im Verweis auf Wangs beachtliche Ausstellungstätigkeit an renommierten Orten fest. Die Direktorin des Museums Abteiberg lobte das Atelierstipendiat als hervorragende Möglichkeit für die Stadt, Kontakte zu Künstlern und Ateliers zu verstärken. Wang bezeichnet den Aufenthalt als wichtige Station in ihrem Leben und Arbeiten. Sie ist Malerin und Zeichnerin. Zudem arbeitet sie mit Video und Performance, zuletzt auch mit Kleidung und Stoffen.

An drei Beispielen gab die 38-Jährige Einblick in ihre Performance-Arbeit. Durchgängig ist die Auseinandersetzung mit Identität, kultureller Prägung, der Durchdringung von Globalisierung und persönlichem Kunstwerk zu beobachten. Wesentlich sind ebenso die Einbindung von Kommunikation mit anderen Künstlern oder Besuchern, wie auch die Verknüpfung von unterschiedlichen Erzähl- und Zeitebenen. Zurzeit richtet Wang ihren Blick auch auf die Stadt und sammelt Details. Es scheint, als würde sie künstlerisch auch auf den Busbahnhof reagieren wollen.

Am 18. Januar 2010 wird sie im Museum Abteiberg ihre Sicht auf Jutta Koethers Ausstellung vorstellen. Es werde wohl eher eine Performance mit viel Gesang als ein klassischer Rundgang, verspricht die Künstlerin.