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Mönchengladbach: Erster Stream der Kulturinitiative Corinna

Kultur in Mönchengladbach : „Corinna streamt“ Punk-Rap, Klassik und Comedy

Der Verein, zu dem sich die Kulturschaffenden der Stadt zusammengeschlossen haben, sendete live aus dem Studio mit Wohnzimmer-Flair. Es wurden muntere zwei Stunden, die kleine Schwächen leicht vergessen ließen.

Spannung und Vorfreude zu bereiten scheint „Corinnas“ Prinzip zu sein. Die Initiative, in der sich vor knapp einem Monat zahlreiche Vertreter der Kultur- und Eventszene Mönchengladbachs zusammengeschlossen haben, verspricht seit einigen Tagen in ihrer über die Stadt verteilten Plakatwerbung ein großes Kulturevent für den 6. Juni 2021.

Dass es möglich ist, auch in wesentlich kürzerer Vorbereitungszeit ein peppiges Programm auf die Beine zu stellen, bewies der Verein am Samstagabend, als es hieß: „Corinna streamt“. Der Kooperationspartner des Vereins, Gladbach.live, zeigte das knapp zweistündige Programm über seine Facebook- und seine Internet-Seite. Mit Spannung und Vorfreude saßen die Interessierten um 18 Uhr am Bildschirm, wo es einige Minuten lang nur hieß: „Wir starten in wenigen Augenblicken.“ In der Wartezeit konnte man beobachten, welcher Zuschauer sich zuschaltete und in der Kommentarspalte die Ungeduld der Mitschauenden teilen. Aber schließlich war das Ganze eine Premiere, da wurde jede Panne schnell verziehen. Dass Lippen und Ton sich nicht synchron bewegten, wurde zwar angemerkt, aber die mehr als 100 virtuellen Gäste sahen großzügig darüber hinweg.

 Trude Backes (l.) und Francis Norman (r.) tanzen mit der Band Die von Eben.
Trude Backes (l.) und Francis Norman (r.) tanzen mit der Band Die von Eben. Foto: Rick, Markus (rick)/Markus Rick (rick)
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Lisa Tellers, Moderatorin beim Lokalsender 90,1, führte durch den Abend. Die Vorsitzenden des Vereins Corinna, Miriam Colonna von den Kulturlöwen und Michael Hilgers, Chef des Sparkassenparks und der Red Box, saßen auf dem Sofa des gemütlich eingerichteten temporären Studios in der Red Box. „Die existenzielle Grundlage wurde den Künstlern durch Corona genommen“, erklärte Miriam Colonna. „Perspektivlosigkeit und Hoffnungslosigkeit machen das Leben extrem schwer.“

Eine E-Mail von Michael Hilgers war die Basis für die Vereinsgründung. „Wir müssen uns zusammentun“, so Hilgers. Mittlerweile ist der Verein auf etwa 100 Mitglieder angewachsen. „Jeder kann mitmachen“, betont Colonna. Der Mitgliedsbeitrag liegt bei zwei Euro monatlich. Sinn und Zweck des Vereins, so erläuterte Hilgers, ist Geld einzusammeln, um die Künstler und Spielstätten während der Pandemie zu unterstützen.

 Das Corinna-Stream-Team und die Künstler des Abends vor der Red Box,von wo aus gesendet wurde.
Das Corinna-Stream-Team und die Künstler des Abends vor der Red Box,von wo aus gesendet wurde. Foto: Myriam Topel

Die Gäste des Abends:

Agnes Jaraczewski, Kulturbüro der Stadt Mönchengladbach Das Kulturbüro hat den Verein von Beginn an mitgestaltet. Im Gespräch mit Tellers betonte Jaraczweski die Bedeutung der Digitalisierung der Kultur und die Aufgabe des Kulturbüros, alternative Plattformen für die Präsentation von Kunst aktiv zu unterstützen. Neue Formate zu entwickeln und einen Technikpool aufzubauen, gehöre dazu, so Jaraczewski. Was sie Positives aus der Krise mitgenommen habe? „Den Mut, Dinge auszuprobieren, die vorher nicht angefasst wurden.“ Die kreative Szene gehe erfinderisch mit der Krise um und finde gemeinsam Lösungen, beschrieb sie die Lage der Künstler.

Francis Norman Der Mönchengladbacher Geiger, der außerdem noch Gitarre, Klarinette, Klavier und vieles mehr spielt, freute sich sichtlich, wieder auf einer kleinen Bühne zu stehen und für seine mitreißenden Stücke von Bach, den Black Eyed Peas oder Sting echten Applaus zu erhalten.

Trude Backes Die Figur, hinter der sich die Musikerin Monika Hintsches verbirgt, nahm singend und sprechend Maskenschmerzen, die „Blötschkoppe, denen das Gehirnimplantat verrutscht ist“, den Klimawandel in Mönchengladbach oder die Abwrackprämie karikierend unter die Lupe.

Die von Eben Die Band sorgte für einen sprunghaften Anstieg der Zuschauer. Die gerade mal zwei Jahre alte Combo rockte mit ihrem alternativen Hip-Hop-Rap die Bühne und gab am Ende der Show für alle unerwartet eine Zugabe, bei der auch Norman Frances und Trude Backes gutgelaunt mitmischten.

Steffen Mumm Als Graffitikünstler nennt er sich Hoker One und wurde in Mönchengladbach durch die Aktion „Home Street Home“ bekannt. Er ist der Erfinder des Corinna-Schriftzuges. „Die Mönchengladbacher Kulturszene ist ein kleiner Spielplatz, das gefällt mir gut“, beschreibt er seine Heimat.

Die Zuschauer waren eingeladen, zu kommentieren und zu fragen. Mehr als 400 Kommentare kamen an, nur wenige Fragen, die am Ende beantwortet wurden. Wie die nach den Möglichkeiten, für den Verein aktiv zu werden oder wie man coronakompatible Proberäume für eine Big Band findet. Wie es weitergeht? Geheimnisvoll. Es wird weiter gestreamt, Termine wurden nicht verraten. Wir bleiben dran und halten Sie auf dem Laufenden.

Info Die Sendung ist unter folgendem Link zu sehen: www.gladbach.live/mediathek/