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Mönchengladbach: Ein Chor mit ehrgeizigen Plänen

Mönchengladbacher Chöre : Ein Chor mit ehrgeizigen Plänen

Beim MGV „Liederbund“ 1886 Schelsen wird bei den Proben viel gelobt und auch gelacht. Für Auftritte und Nachwuchswerbung gibt es innovative Ideen. So kann man auch junge Menschen für den Chorgesang begeistern.

Wie ist es möglich, Jugendliche für den Männerchorgesang zu begeistern: für eine Kunstform, der – oft zu Recht, manchmal auch zu Unrecht – das Image des Verzopften und der Vereinsmeierei anhängt? Liederbund-Vorsitzender Hermann-Josef Thörner, Ralf Holte, dem die Öffentlichkeitsarbeit des Chores obliegt, und nicht zuletzt Chorleiter Christian Wilke machen sich immer wieder Gedanken darüber und entwerfen unermüdlich neue Konzepte.

Wilke, der seit 2005 die Leitung der zurzeit 30 Sänger innehat, ist ein vielseitiger Musiker mit manchmal auch unüblichen Ideen. So gab es im Todesjahr von Michael Jackson ein Konzert mit dessen Musik. Dann hieß es „Pop meets Classic“, wobei sich der Gefangenenchor aus „Nabucco“ und der Matrosenchor aus dem „Fliegenden Holländer“ bestens mit „Eternity“ von Robbie Williams und dem beliebten „Halleluja“ von Leonard Cohen vertrugen. Und beim Herbstkonzert ist der Leitgedanke „Und immer wieder Kölsche Lieder“. Inzwischen müssen für die jährlichen Konzerte, begleitet von der Live Band „Tabasco-Music“, zwei Termine eingeplant werden, und der Schelsener Pfarrsaal ist immer ausverkauft.

Diese innovativen Ideen und die bei aller Genauigkeit kurzweilige und sehr belebte Probenarbeit, die Wilke mit viel Lob und immer mal wieder mit ein paar Kalauern würzt, haben nicht nur zu vorbildlichem Chorzusammenhalt beigetragen, sondern bisher bereits vier feste Mitglieder im Alter zwischen 20 und 30 Jahren dem Chor zugeführt. Diese jungen Leute weiß der Chorleiter besonders dadurch zu fesseln, dass er ihnen immer mal wieder kleine und größere Soli anvertraut. Es ist eine Freude mitzuerleben, mit welcher Begeisterung der Nachwuchs bei der Sache ist. Die Vier können in kürzester Zeit alle Vorträge auswendig singen, und ihr ausdrücklicher Wunsch für das Konzert im Oktober ist, dass alle Sänger ohne Noten auf der Bühne stehen. Bei „Drink noch ene met“ oder „In unserem Veedel“ ist das auch für die Älteren kein so großes Problem, aber „En d’r Kayjass“ oder „Leev Marie“ macht dann schon mehr Schwierigkeiten. Da lässt der Chorleiter, der selbst vorbildlich Kölsch spricht, den Text erst einmal langsam und deutlich deklamieren.

Aber es wird auch „Klassisches“ geprobt, beispielsweise den gewichtigen und umfangreichen Chorsatz „Landerkennung“ von Edvard Grieg. Doch auch hier sind die Jungen bewundernswert sattelfest. Entspannung bringt danach „O happy Day“, ebenfalls mit einem Nachwuchs-Solisten.

Die Gründungsmitglieder des seit 1886 bestehenden Traditionsvereins haben sich seinerzeit wohl nicht träumen lassen, dass ihr Chor einmal solche ungewöhnlichen Wege gehen würde. Die Aufbauarbeiten nach den beiden Weltkriegen bescherten dem MGV „Liederbund“ stürmische Zeiten, doch immer wieder fanden sich idealistische Sänger zusammen. Eine wichtige Stütze der Choristen war der Fabrikant Hans Pferdmenges, der 50 Jahre lang (1933-1984) als Protektor den Chor unterstützte. Prägend war die musikalische Leitung durch Franz Reinartz (1922-1960), ebenso die Zeit unter dem Kapellmeister des Theaters, Karl-Dietfried Adam (1961-1967). Auch unter Michael Postel (1982-1993) erhielt der Chor wichtige Impulse und zahlreiche Auszeichnungen. Mit Christian Wilke ist nun seit 2005 „eine neue Zeit angebrochen“, wie der Chorvorstand mit Stolz betont.