Mönchengladbach: Dieter Liewerscheidt hat einen Lyrikband vorgelegt

Lyrik in Mönchengladbach : Im toten Park von Dieter Liewerscheidt ist es ungemütlich

Der Mönchengladbacher Lyriker hat seinen vierten Gedichtband mit einer Auswahl seiner Texte aus den Jahren 1964 bis 2019 veröffentlicht.

Dass der Mönchengladbacher Lyriker Dieter Liewerscheidt mit seinem Gedicht „Der tote Park“ tatsächlich ein Werk des Dichters Stefan George (1868-1933) aufgreift, wird einige Seiten später offenbar. Denn da ist die Rede vom totgesagten Park, den George in seinem 1897 erschienenen Gedicht in seiner ganzen Fülle beschreibt. Doch der tote Park Liewerscheidts ist anders: Er ist wirklich tot, öde, voller Pfützen, ohne Farben und absolut ungemütlich. So beschreibt es Liewerscheidt in seinem neuen Buch „Es läuft doch alles“. Der Titel stimmt. Es läuft alles, aber irgendwie nicht immer rund. Der Leser fühlt sich beim Lesen mancher Texte nicht gut – und das ist auch wohl beabsichtigt. Bei einigen Gedichten ist jedoch der Sinn kaum erkennbar. Da werden Wörter zusammengestellt wie bei einer Fingerübung, getreu dem Satz, der dem Gedichtband voransteht: „Vielleicht, wenn die größeren Worte erst flach genug sind, dass du sie wirfst, und sie hüpfen.“

Doch in dem, was folgt, hüpfen die Wörter nicht. Sie sind nicht reduziert, damit sie in einem Aha-Erlebnis im Kopf aufblitzen, weil es ungewöhnliche Zusammenhänge gibt. Liewerscheidt arbeitet zuweilen mit einem bewussten Schock, wenn er etwa im Gedicht „Abzugeben“ über sich als Organspender schreibt, dies aber gerade noch abwenden kann, weil er keinen Unfall verursacht. Diesen bewussten Schocks, die der Leser sofort bemerkt, fehlt das Überraschungsmoment.

Liewerscheidt arbeitet sich immer wieder an großen Namen ab, etwa beim „Tagelied für Hoffmannsthal“ oder beim Gedicht „Der Sänger versinkt“, wo er Heines Loreley als Basis für einen eigenen Text nimmt. Am besten ist Liewerscheidt dann, wenn er frei assoziiert, etwa im Gedicht „Klartext“: Klipp und klar der Kieselstein, hier auf dem Grund, willst ihn greifen, fängt er an zu schwanken.

Im Buch sind Texte des Dichters aus den Jahren von 1964 bis 2019 gesammelt. Darunter sind auch politische Zeilen, die im Kapitel „BRD noir“ zu finden sind. Sie schildern die Zeit eines allgemeinen Unwohlseins in der Bundesrepublik, in der doch alles lief. Liewerscheidt erzählt auch von seiner Jugend in den 1950er Jahren in Düsseldorf. Und von seinen ersten Lebensjahren. Er wurde 1944 in Hannover geboren, begleitet von Blockwarten und englischen Bomben. „An diesem Start gemessen, war nichts zu verlieren, es konnte nichts schiefgehen.“

Und schiefgegangen ist es ja nicht. Der Dichter hat unter anderem vier Lyrik-Bände veröffentlicht und drei Monographien. Der totgesagte Park hat es ihm dabei angetan. In diesem Jahr ist von Liewerscheidts Sohn Michael, der als Experimentalfilmer arbeitet, ein Lyrikfilm gedreht worden, der „Im toten Park“ heißt und auf Dieter Liewerscheidts Gedichten basiert.

Dieter Liewerscheidt: Es läuft doch alles. XS-Verlag, Berlin, 2019, zwölf Euro.