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Mönchengladbach: "Die Vermessung der Laute" von Albrecht Dürer

Bilder des Museums Schloss Rheydt : „Die Vermessung der Laute" von Dürer

Das Museum Schloss Rheydt zeigt online eine hochwertige Auswahl von Druckgrafiken, Zeichnungen und Aquarellen. Dabei sind Werke von berühmten Meistern des 16. und 17. Jahrhunderts – von Dürer bis Rilke. Wir stellen einige Künstler und ihre Werke vor.

Ein Zeichenblatt und eine Leinwand bleiben – da kann ein Künstler machen, was er möchte – immer zweidimensional. Die Dinge, die er auf dem Bildträger festhalten möchte, sind aber dreidimensional. Die große Kunst besteht nun darin, auf dem Blatt Räumlichkeit vorzutäuschen.

Das klingt im 21. Jahrhundert nicht nach einem schwierigen Problem, hat aber die Maler und Zeichner seit dem Mittelalter sehr beschäftigt. Erst langsam entwickelten sich die Methoden einer perspektivischen Darstellung wie die der Zentralperspektive. Der Durchbruch kam in der Renaissance.

Der Holzschnitt mit dem Titel „Die Vermessung der Laute“ von Albrecht Dürer aus dem Jahr 1525 aus der Sammlung des Museums Schloss Rheydt zeigt, wie komplexe Formen wie die einer Laute mit ihrem bauchigen Corpus und dem sich verjüngenden Hals mit Hilfe einer aufwändigen technischen Apparatur perspektivisch genau abgezeichnet werden können.

Auf seinem 15 mal 18 Zentimeter großen Blatt stellt Dürer seine Konstruktion vor: zwei Männer, ein Tisch, ein geöffneter freigestellter Holzrahmen, der an ein Fenster erinnert und ein Haken an der dahinterliegenden Wand sind für die perspektivische Zeichnung nötig.

Italienische Kunsttheoretiker hatten sich bereits einige Jahrzehnte vorher mit optischen Problemen beschäftigt. Sie entwickelten die Idee, dass der Blick auf ein Bild wie der aus einem Fenster sei. Das Auge fängt Strahlen ein, die vom gesehenen Objekt zum Betrachter gelangen. Für Dürers Holzschnitt bedeutet dies: Der Haken rechts im Bild entspricht dem Auge, das durch den Holzrahmen auf die Laute schaut. An dem erwähnten Haken ist eine Schnur befestigt. Die gestraffte Schnur wird nacheinander an einige Punkte der Laute gehalten und die Punkte auf der Bildfläche markiert. Diese Prozedur wird mehrfach wiederholt. Am Ende werden dann die Punkte mit Linien verbunden und die Laute erscheint perspektivisch genau auf dem Papier.

Das Blatt „Die Vermessung der Laute“ ist Teil eines Buches, das Dürer verfasste. „Unterweysung der Messung. Mit dem Zirckel und Richtscheyt“ heißt es und befasst sich mit der Theorie der Perspektive.

Dürer versuchte sich nicht nur in Konstruktionen, um die Perspektive eines Objekts genau wiederzugeben. Er befasste sich ebenso mit den Proportionen des Menschen. Er schrieb die „Vier Bücher von menschlicher Proportion“, die 1528 posthum erschienen.

Viele der Gemälde und Grafiken von Albrecht Dürer sind äußerst bekannt: das äußerst detailreiche Rhinozeros zum Beispiel. Den Holzschnitt des Tieres fertigte Dürer an, ohne je in seinem Leben ein Nashorn gesehen zu haben.

Die „Betenden Hände“ gehören vermutlich zu den am häufigsten reproduzierten Arbeiten von Dürer. Dabei ist die Skizze lediglich eine Studie. Dürer zeichnete sie 1508, als er die Hände eines Apostels für den Heller-Altar plante. Um die Hände zu malen, verdoppelte er seine linke Hand auf einem Spiegel und nahm einen zweiten Spiegel zu Hilfe, um die genaue Perspektive zu erhalten.

Dürer war ein gebildeter und weitgereister Künstler. Er wurde 1471 als Sohn eines Goldschmieds in Nürnberg geboren. Zunächst erlernte auch er den Beruf des Goldschmieds, bevor er bei dem Nürnberger Maler Michael Wolgemut seine Ausbildung begann. Dürers Reisen führten ihn bereits 1494/1495 nach Italien, später in die Schweiz und die Niederlande. 70 Gemälde, 100 Kupferstiche, 350 Holzschnitte und 900 Handzeichnungen sind von ihm erhalten. In den letzten Jahren seines Lebens, Dürer starb 1528, befasste er sich damit, seine Lehrschriften zu verfassen.