Mönchengladbach: Die Reihe LiedGut wird fortgesetzt

Konzertreihe im Theater : LiedGut mit Märchen, Tänzen und einem Krokodil

Das Theater hat (noch) Luft und Kraft für ausgefallene Programme. Ein Raritätenkabinett präsentierte Solorepetitor Michael Preiser in der jüngsten Ausgabe der Reihe „LiedGut“. Diesmal ging es russisch zu.

Unter dem romantischen Titel „Bald ist vorüber die Nacht“ führte er am Flügel durch eine exquisite Auswahl an Liedern und Klavierstücken von sieben Komponisten. Für letztgenanntes Genre war Preiser im Konzertsaal allein zuständig. Dabei gelang es dem brillanten Pianisten, in Mussorgskis „Intermezzo“ die expressive, fast ruppige Künstlernatur des Komponisten mit dessen Sehnsucht nach der Klassik geschmeidig zu verklammern. Mutig donnerte er in Oktavparallelen eher schlichte Melodielinien heraus, um diesen Kraftmodus gleich darauf in ein filigranes Menuett zu verwandeln. Seltenheitswert offenbarten zwei „Skaski“ (Märchen) des deutsch-russischen Romantikers Nikolaj Medtner (1880-1951) und dessen Arabeske Opus 7,2. In der wilden Arabeske konnte der Pianist sich auch als Virtuose empfehlen.

Tiefernst hatte der Abend begonnen. Mit seinen 1875/77 komponierten Liedern und Tänzen des Todes schuf Mussorgski vier Gesänge für Bariton und Klavier, deren Texte unter die Haut gehen. Die Totentanzlieder schildern, wie der Tod die Oberhand über alle Lebenshoffnung gewinnt. Der Titel des Konzerts, „Bald ist vorüber die Nacht“, ist von einer Zeile aus dem eröffnenden Wiegenlied abgeleitet, in dem Alexander Kalina einfühlsam ein kleines Kind in den ewigen Schlaf singt. Der russische Vortrag zeigte enormes stimmliches und interpretatorisches Niveau. Verblüffend zu erleben, dass die vier Lieder den berühmteren „Kindertotenliedern“ Gustav Mahlers in nichts nachstehen. Alexander Kalina, der russische Sänger, der am Theater im Opernstudio begonnen hat und inzwischen fest zum Ensemble gehört, empfahl sich für anspruchsvolle Rollen an diesem Haus. Der 27-jährige Moskauer glüht, bebt geradezu körperlich für seine Kunst. Und er kann auch Ironie: Das bewies er bei den auf Deutsch gesungenen fünf Romanzen, darunter „Umsicht“ mit Zitaten der Sequenz „Dies Irae“, mit denen Dmitri Schostakowitsch 1965 banale Leserbriefe aus dem Satiremagazin „Krokodil“ vertont hatte.

Eine weitere Entdeckung dieses Abends war die israelische Sopranistin Maya Blaustein. Die 1992 in Jerusalem geborene Sängerin ist neu im Opernstudio Niederrhein und hatte nun ihren ersten Auftritt im Theater Mönchengladbach. Sie eröffnete mit ihrer romantischen Ballade „Inmitten des Balles“ von Tschaikowsky noch in lyrischem Modus. Doch als dann die „Östliche Romanze“ von Rimski-Korsakow anstand, offenbarte sie zunehmend ihre Stärke im hochdramatischen Fach. Grandios ihre gedehnte Vokalise ohne Text am Schluss. Die junge Solistin hielt diese Intensität auch bei Medtners „Engel“ nach einem Text von Puschkin tragfähig bei. Eine starke Bereicherung für das Ensemble!