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Mönchengladbach: Die kleinste Galerie der Stadt

Ausstellungen in Mönchengladbach : Die kleinste Galerie der Stadt

Es ist gerade einmal einen Quadratmeter groß. Aber es bot schon Raum für 70 Ausstellungen. Das „Schaufenster“ in Rheydt an der Hauptstraße bietet Kunst im öffentlichen Raum für flüchtigen und intensive Momente.

Es ist die kleinste Galerie Mönchengladbachs. Geöffnet ist sie an sieben Tagen in der Woche rund um die Uhr. Besucherzahlen hat sie, die alle anderen Galeristen vor Neid erblassen lassen.

Das Kunstfenster in Rheydt, das am 16. Juli vor 16 Jahren von 15 kunstverrückten und engagierten Rheydtern initiiert wurde, bietet Kunst im Vorübergehen und Vorüberfahren an. In 16 Jahren gab es mehr als 70 Ausstellungen.

Die „Galerie“ besteht aus einem 125 Zentimeter hohen und 80 Zentimeter breiten formschönen Schaufenster, das seit 1955 Werbung für Wella-Produkte und die neueste Haarmode aufnahm. Denn hier auf der Hauptstraße 125 konnten sich Frauen und Männer frisch frisieren lassen. Der Friseur ging, das Schaufenster blieb. Martin Hülbrock ist Rheydter und ist wie so viele andere auch immer an dem Schaufenster vorbei gelaufen. Er hatte die Idee, das Schaufenster für Kunst zu nutzen. Sein Freundeskreis nahm die Anregung auf. Mit Martin und Nikola Hülbrock, Susanne Schnabel, Nina Beeck, Tibor Cizmic und anderen wurde ein gemeinnütziger Verein gegründet. Das Kunstfenster war geboren.

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„Die Vielfalt und Bandbreite der ausgestellten Arbeiten sind das Spannende“, schwärmt Susanne Schnabel. „Wir haben schon Literatur, Skulptur, Malerei, Fotografie und Comics im Kunstfenster gezeigt.“ Jede Ausstellung wird feierlich eröffnet – mitten auf dem Bürgersteig davor. „Es gibt immer Sekt und Wasser“, erklärt Schnabel, „und viele Gespräche“. Das ist den Kunstfensterfrauen und -männern wichtig: „Die Kommunikation zwischen Künstlern und Betrachtern.“ Hinterher geht man dann gemeinsam gegenüber ins Restaurant und lässt den Ausstellungsabend mit einem Essen ausklingen.

Es sei ein im positiven Sinne niederschwelliges Angebot, so beschreibt Schnabel das Kunstfenster. Die Ausstellungen finden im öffentlichen Raum statt, keine Türen müssen geöffnet, keine neue Welt betreten werden. Die Kunst hängt einfach an der Fassade und wird vom Passanten im Vorübergehen oder vom Autofahrer, der an der Ampel wartet, angeschaut. Mal intensiv, mal flüchtig. Zählbar sind die Besucher daher nicht. Aber viele werden es sein.

Der Freundeskreis, der vor 16 Jahren das Kunstfenster erfand, war und ist mit einer Menge Künstler gut vernetzt, erzählt Susanne Schnabel. Aus diesem Zirkel stammten die ersten Ausstellenden. Das Netzwerk wuchs mit den Jahren. „95 Prozent der Künstler“, schätzt Schnabel, „kommen aus Mönchengladbach“. Doch auch überregionale, in Bonn, Köln oder Grevenbroich lebende Künstler stellen hier aus.

Einige Beispiele: Mario Wegerl sorgte im Dezember 2006 für die Premierenausstellung im Kunstfenster. Er gestaltete kleinformatige Gemälde. Wolfgang Hahn installierte kleine Holzskulpturen, die Illustratorin Ruth Zadow füllte die gesamte Fensterfläche mit dem Bild einer Figur auf einem Rad balancierend.

Auch der mit Alltagsmaterialien arbeitende Garvin Dickhoff nahm die Form des Fensters auf, die sich von unten nach oben verbreitert: er füllte das untere Drittel mit gestapelten Holzklötzchen. Abstrahierte Toilettenfotos steuerte Thomas Wimmer bei, Isabel Ristau füllte das Fenster mit Bildern von Verboten. Agnes Stock orientierte sich an der außergewöhnlichen Form des Fensters mit einer Installation aus Stoff. Margot von Contzen wählte eine raumfüllende Schwarz-Weiß-Komposition für das Kunstfenster.

Jeder Künstler verwandelt das Fenster mit seiner individuellen Gestaltung in einen neuen Ausstellungsraum – was für ein gelungenes Projekt.