Mönchengladbach: Die King's Singers hatten einen umjubelten Auftritt

Kaiser-Friedrich-Halle : King’s Singers – betörend, keck, schräg

Auf Einladung von MGsingt.de war das A-capella-Ensemble zu Gast. Auch dabei: das Projekt 007 und die Rockstreicher. Ein tolles Konzert.

Diese sechs Jungs scheinen sich mit keinerlei Allüren zu plagen. Und so etwas wie Dünkel kennen sie offenbar auch nicht. So emphatisch, wie die Zuschauer und die Sänger von MGsingt.de und die Sängerinnen und Sänger vom Projekt 007 aus Jüchen dem britischen A-cappella-Ensemble applaudierten, so begeistert zollten die sechs Briten ihnen gleichermaßen Respekt. Da schien es keinen Unterschied zu geben. Dabei sind die King’s Singers weltberühmt und in den angesagtesten Hallen unterwegs. Jetzt gehört auch die Mönchengladbacher Kaiser-Friedrich-Halle dazu. Sie wurde durch dieses Konzert geadelt.

Auf Einladung des Neuwerker Männergesangvereins MGsingt.de gastierten die King’s Singers in Mönchengladbach. Und gelegentlich war die Bühne rappelvoll. Dann nämlich, wenn die beiden Chöre aus Gladbach und Jüchen, die sechs Sänger aus Großbritannien, die Rockstreicher von der städtischen Musikschule und weitere Musiker an den Drums, am Klavier und an der Gitarre gemeinsam musizierten. Aber zunächst stellten sich die Formationen einzeln vor.

Das taten die jungen Rockstreicher, die von Musikschul-Chef Christian Malescov angeleitet werden, mit der bekannten und in Teilen unglaublich schnellen, temperamentvollen Melodie „Palladio“ von Karl Jenkins. Das Projekt 007 glänzte, unterstützt von Daniel März (Bass), Anna Katharina Grüneberg (Piano) und Timur Tuglu (Drums), mit dem „Agnus Dei“ aus „Little Jazz Mass“ von Bob Chilcott.

Mit drei wunderbar anzuhörenden, fein ausgefeilten Stücken präsentierte sich der gastgebende Männerchor MGsingt.de unter der Leitung von Matthias Regniet: „Ave Maria“ von Giulio Caccini, „Abendfrieden“ von Franz Schubert und „Ich glaube“, dem 50 Jahre alten, aber erschreckend aktuellen Lied von Udo Jürgens: „Ich glaube, diese Welt müsste groß genug, weit genug, reich genug für uns alle sein. Ich glaube, dieses Leben ist schön genug, bunt genug, Grund genug, sich daran zu erfreuen.“

Und zwischendurch – die King’s Singers. Gregorianischer Gesang, Klänge der Renaissance, Annäherungen von Kirchen- und Jazzmusik bis hin zur Moderne, die beiden Countertenöre Patrick Dunachie und Edward Button, der wunderbare Tenor Julian Gregory, die Baritone Christopher Bruerton und Nick Ashby sowie der Bass Jonathan Howard haben alles drauf. Und alles perfekt. Betörend harmonisch, auch mal keck oder super schräg-schön dissonant. Besonders amüsant – die Wiedergabe von Ludwig Senfls „Das G’läut zu Speyer“. So witzig, diese Engländer.

MGsingt.de und das Projekt 007 machten à capella mächtig Dampf und Spaß mit „Nearer my God“. Ganz großartig kam der Jüchener Chor mit „Luminous night of the soul“ von Ola Gjeilo an. Und dann verblüffte Ida Regniet, die Tochter des Dirigenten, mit der Solostimme zu Christopher Tins „Baba Yetu“, das „Vater unser“ auf Suaheli. Großartig. Da stockte dem Publikum tatsächlich der Atem.

In einem vorweihnachtlichen Konzert darf Weihnachtliches natürlich nicht fehlen. Hier lieferten die King’s Singers wiederum Ungewöhnliches. Da klingt „Jingle Bells“ nicht wie das übliche „Jingle Bells“, und „The Christmas Song“ kommt auch irgendwie anders daher. Die Sänger wählen eben entsprechend für sie passende Arrangements. Dafür singen sie „Stille Nacht, heilige Nacht“ exakt so wie dieses besonders schöne traditionelle Weihnachtslied gesungen werden muss. Ans Herz gehend.

Wie viel Arbeit und Einsatz nötig waren, um dieses Konzert auf die Beine zu stellen, mag der Gast nur ahnen. Philip Lawson, der 18 Jahre lang als Bariton bei den King’s Singers wirkte, hatte im Vorfeld kenntnisreich mitgemischt. Er sorgte für eine Welturaufführung an diesem Abend. „How sweet the Sound“ wurde von allen Mitwirkenden auf die Bühne gebracht. Da wurde es dann noch einmal richtig eng. Und die Stimmung besonders schön.