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Mönchengladbach: Die Gewinner vom Regionalwettbewerb "Jugend musiziert"

Kultur in Mönchengladbach : Jugend musiziert unter Corona-Bedingungen

Für den 58. Regionalwettbewerb haben die Musikschüler Videos eingereicht. Jetzt tagte die Jury und gab die Ergebnisse bekannt. Die meisten Teilnehmer haben Potenzial für den Landeswettbewerb.

Wenn man zum Regionalwettbewerb Jugend musiziert geht, ist auf den letzten Metern die Aufregung der Teilnehmer immer so spürbar wie die aufgeladene Luft vor einem Wolkenbruch. Doch in diesem Jahr hat man vor dem Eingang des Kreishauses Viersen das Gefühl, da sei ein Energie-Vakuum. Weit und breit kein zappeliges Kind im Festaufzug an der Hand von noch nervöseren Eltern. Stattdessen kommen vereinzelt Herren und Damen mit Aktentasche.

Die Jury trifft sich zum 58. Regionalwettbewerb Mönchengladbach/Kreis Viersen für die Altersgruppen I und II, um die Videoaufzeichnungen der Beiträge zu beurteilen. Statt des üblichen Festival-Wochenendes mit 1000 Besuchern tagen 14 Juroren mit Maske in Plexiglas-Kabinen. In der Pause tauscht man sich an weit auseinander stehenden Einzeltischen  aus. „Trotzdem bin ich glücklich, dass wir heute hier sind“, sagt Juror René Eljabi aus Düsseldorf. Seine Kollegen nicken.

„Dreimal ist unsere Terminplanung durch einen neuen Erlass torpediert worden“, so Musikschulleiter Christian Malescov. „Durch die Verzögerungen war es wie ein Hüpfspiel nach dem Prinzip zwei Schritte vor, einer zurück.“ Diese Anstrengung haben etwa halb so viele Teilnehmer auf sich genommen wie sonst – jedoch mit guten Ergebnissen. Fast alle haben erste Preise und damit Potenzial für den Landeswettbewerb. „Die Juroren haben nicht wohlwollender gewertet als sonst“, sagt der Viersener Musikschulleiter Ralf Hotschneider. „Vielmehr haben die auch sonst sehr engagierten Schüler durchgehalten.“

Zum harten Kern gehört die Fagottistin Charlotte Rütten. „Völlig baff, stolz und froh“ war die 12-Jährige, als sie ihr Ergebnis hörte: 25 Punkte, das ist die Maximalpunktzahl. Geübt hat sie ihre Wettbewerbsstücke seit September. Dieses Ziel war ihr Highlight im öden Lockdown-Alltag. Einige Kinder in den Videos spielen in Konzertsälen, sie sind festlich herausgeputzt und verbeugen sich. Andere stehen im Kinderzimmer. Ein Junge spielt in blau-weißen Ringelsocken auf einem Flokati-Teppich Trompete. In den Pausen tanzt er im Takt. „Das war süß“, kommentiert eine Jurorin. Der Junge bekommt einen ersten Preis – genau wie ein Mädchen, das hinter seinem Notenständer verbarrikadiert ist, aber dem Klang nach sehr überzeugend Trompete spielt.  Beim Beobachten wird klar: Auch Video-Aufzeichnungen lassen sich gerecht bewerten. Manches ist sogar objektiver zu beurteilen – wie beim Fußball-Videobeweis. Dass die Kinder durch die Termin-Verschiebung mehr Zeit zum Üben hatten, sei kein Vorteil, so Malescov. „Es war eher wie ein fertiges Essen auf dem Herd warm halten müssen.“ Dafür hätten die Teilnehmer eine andere wichtige Erfahrung gemacht. Fagottistin Charlotte Rütten formuliert es so: „Auch wenn es anders kommt als geplant: Beharrlichkeit lohnt sich.“