Traditionsreiches Haus in Mönchengladbach Ein Verlag ohne Nachfolger

Mönchengladbach · Den B. Kühlen Verlag gibt es seit bald 200 Jahren. Norbert Neuenhofer steht seit 43 Jahren an der Spitze. Aber wer soll ihm irgendwann folgen?

Norbert Neuenhofer ist geschäftsführender Gesellschafter des Kühlen Verlags.

Norbert Neuenhofer ist geschäftsführender Gesellschafter des Kühlen Verlags.

Foto: bauch, jana (jaba)

Vor gut 197 Jahren, am 1. April 1825, wurde der Kühlen Verlag gegründet. Das Ziel: christliche Kunst verbreiten. „Dem ist der Verlag bis heute treu geblieben“, sagt Norbert Neuenhofer, geschäftsführender Gesellschafter des Verlags. Das zeigen die Veröffentlichungen der vergangenen Jahre: Nach „Weihnachten in der modernen Kunst“ (2015), „Ostern in der modernen Kunst“ (2017) und „Pfingsten in der modernen Kunst“ (2019) ist 2022 der Text- und Bildband „Gott in der modernen Kunst“ erschienen.

Verantwortlich für die thematische Ausrichtung ist Neuenhofer, der seit 43 Jahren an der Spitze des Kühlen Verlags steht. Sein Großvater war damals Prokurist bei Oskar Kühlen, dem Sohn des Verlagsgründers Bernhard Kühlen. Da Oskar Kühlen keine Nachkommen hatte, übernahm die Familie Neuenhofer im Jahr 1924 die Leitung des Verlagshauses. „Ich bin in das Verlagswesen hineingeboren“, sagt Neuenhofer, der den Verlag nun in fünfter Generation leitet.

In dem vergangenen Vierteljahrhundert hat er erlebt, wie drastisch sich die Druck- und Verlagsbranche verändert hat: Früher hatte der Kühlen Verlag ein eigenes Druckhaus, abgesehen von Büchern wurden dort auch Kataloge, Zeitschriften für den Axel-Springer-Verlag und den Handelsblatt-Verlag gedruckt. 1973 musste sich das Druck- und Verlagshaus vom Tiefdruck verabschieden und auf den Offset-Druck umrüsten. Dann kam die Digitalisierung und somit auch der internationale Wettbewerb. Ein harter Schlag für das traditionsreiche Haus: „2001 musste ich meine geliebte Druckerei aufgeben“, sagt Neuenhofer.

Danach begann er, den Kunstbuchbereich weiter auszubauen. Gedruckt wird seither nicht in Massen, pro Auflage etwa 500 bis 2000 Exemplare. Dafür ist der Qualitätsanspruch der Bildbände sehr hoch: „Manchmal sind die Drucke besser als das Original“, sagt Neuenhofer. Mit einem festen Stamm an freiberuflichen Mitarbeitern werden die Manuskripte ausgewählt und in Buchform gebracht. „Ich habe große Freude an meiner Arbeit und lerne jederzeit gerne Neues“, sagt er.

Aber: Neuenhofer ist mittlerweile 75 Jahre alt und bereit für eine zukunftsorientierte Nachfolgeregelung. „Die Frage der Nachfolge beschäftigt mich intensiv“, sagt er. Seit geraumer Zeit sucht er eine geeignete Person. Wie Oskar Kühlen hat auch Neuenhofer keine Nachkommen. Es sei nicht einfach, die passende Person zu finden. „Ich hänge an dem Verlag mit seiner fast 200-jährigen Tradition und kann nur loslassen, wenn ich ihn in gute Hände übergeben kann.“

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